Mittwoch, 18. Juli 2007

Mittwoch, 18.7.: Abfahrt

Eigentlich müsste die Überschrift Dienstag lauten, denn nachdem ich nachmittags meinen (hoffentlich) letzten Zahnarztbesuch inkl neuer Füllung absolviert und das Mietauto anschließend in Roanoke abgeholt hatte fuhren Mihai, Silvia und ich gegen 23 Uhr los. Eigentlich wollte ich vor der Abfahrt ja noch ein paar Stunden schlafen, das ließ sich aber irgendwie nicht einrichten. Aufgestanden war ich an dem Tag gegen 7, und an Ruhe war während der Arbeit und auch später nicht zu denken. Somit machte ich mich schon relativ fertig (nach Narkose und hartem Arbeitstag) auf den laaangen Weg nach New York.

---16 Stunden ohne Schlaf---

Zum Glück fiel mir das Fahren während der ersten 3-4 Stunden in unserem Pontiac G6 relativ leicht, irgendwann bemerkte ich jedoch die schleichende Müdigkeit in Form von bleiernen Augenlidern. Als Konsequenz fuhr ich auf die nächstgelegene "Rest Area" und versuchte, eine Mütze Schlaf zu mir zu nehmen. Meinen beiden Mitfahrern gelang das auch ganz gut, nur ich konnte es mir auf dem Fahrersitz in diesem "Mid-Size"-Wagen nicht so recht bequem machen. Hätte ich doch mal bloß mein aufblasbares Nackenhörnchen mitgenommen...

---20 Stunden ohne Schlaf---

Nach circa 45 minütigem Hin- und Hergewälze entschied ich mich zur Weiterfahrt. Zum Glück gibts ja in Virginia diese praktischen rauhen Streifen am Fahrbahnrand die einen Wecken wenn man einnickt... ;) Nach einer weiteren halben Stunde Fahrt hatten wir dann auch endlich die erste Staatsgrenze erreicht: Welcome to West Virginia! Die Interstate 81 führt nur ein kurzes Stück durch den Bundesstaat, und schon bald waren wir in Maryland, gefolgt von Pennsylvania, New Jersey... und circa 9 1/2 Stunden nach Abfahrt waren am Horizont die Hochäuser Manhattans in Sicht!

--- 26 Stunden ohne Schlaf---

Das wir weitere 2 Stunden brauchen sollten, um überhaupt nach Manhattan reinzukommen, konnte natürlich keiner wissen. Ich hatte zwar vor der Abfahrt "Angst" vor der Rush Hour in Manhattan gehabt (wie man es aus den Filmen kennt), mir aber nicht träumen lassen dass der Stau bis draußen nach New Jersey, weit vor der Einfahrt zum Lincoln Tunnel, reichen würde. Im Stop-and-Go-Tempo ging es dann vorwärts bis wir irgendwann wieder aus dem Tunnel auftauchten - und uns mitten im Getümmel Manhattans wiederfanden! Auf den ersten Blick ist man erst mal von den Häuserschluchten um einen herum erschlagen und fühlt sich ganz ganz klein (besonders nach so ner zermürbenden Fahrt), bis man um eine Ecke biegt und NOCH größere Wolkenkratzer erblickt. Unglaublich! Leider begrüßte uns der Big Apple mit unterdurchschnittlichem Wetter, aber was soll´s, man kann ja nicht alles haben!

Zum Glück hatten wir uns dafür entschieden, den Mietwagen nach der Ankunft abzugeben und mit der Metro zum Hostel zu fahren, wo wir nach letztlich über 12 stündiger Odysee dann auch ankamen!

---28 Stunden ohne Schlaf---

Aber natürlich will man sich dann ja auch in den paar Tagen die man da ist ordentlich was angucken, deswegen keine Zeit vertrödelt und nach einer kurzen Dusche raus ins Getümmel! Ab in die Metro zum Times Square, und die Füße in die Hand genommen! Am ersten Tag in New York, New York konnte ich mir so bereits Midtown und das Empire State Building, das Rockefeller Center, die Grand Central Station, das UN-Hauptquartier sowie das Museum of Modern Art anschauen! Ist schwierig das ganze zu beschreiben, ich sag mal: selbst erleben lohnt sich! Ansonsten lasse ich für den ersten Tag einfach mal Bilder sprechen!

Ach ja. Und dann war da noch dieser... Vorfall. Ich komme gerade aus dem Central Park und laufe auf der Lexington Avenue gen Süden, als in weiter Ferne dicker Rauch aufsteigt. Muss in der Höhe der Grand Central Station sein. Mihai hatte mich wenige Minuten zuvor aus eben diesem Bahnhof angerufen, weil wir uns später fürs Abendessen wieder treffen wollten. Also hab ich versucht, ihn telefonisch zu kontaktieren. Aber da war das Handynetz schon überlastet. Hunderte New Yorker, Bänker und Restaurantbesitzer, stehen auf der Straße und glotzen ungläubig die Häuserschlucht hinunter, dahin wo der Rauch herkommt. Was ist passiert?


Keiner weiß genaues, Gerüchte gehen um, die Angst steht den Leuten ins Gesicht geschrieben. Ein weiterer Anschlag, keine Frage. Wie damals, vor 6 Jahren. Nun also Grand Central... Polizei und Feuerwehr rasen die breite, von Hochhäusern und Edelboutiquen gesäumte Straße hinunter, mitten ins Geschehen. Alle anderen laufen eher davon weg. Wollen eigentlich nur noch irgendwie nach Hause, aber natürlich fährt keine Metro über den Hauptbahnhof, und der Straßenverkehr ist vollkommen zum erliegen gekommen. Jeder macht sich Sorgen und versucht, jemanden anzurufen, der gerade in der Nähe gewesen sein könnte. Oder eben der Familie bescheid zu geben, dass es einem selbst gut geht.

Da konnte ja auch noch keiner wissen, dass nur ein "Steam Pipe" aus dem Jahre 1913 (und damit ein relativ neues!) geplatzt ist. Natürlich gab es Verletzte und eine Frau starb wohl an einem Herzinfarkt. Aber wenigstens war es kein Anschlag.

---40 Stunden ohne Schlaf---

Ende. Kaputt. Die Beine tragen nicht mehr. Es gäbe noch so viel zu sehen in New York bei Nacht, das Getümmel um den Times Square mit den zahllosen Broadway-Musical-Shows, aber irgendwann ist einfach Schluss. Also ab ins Hostel und die Beine hochgelegt. Und nach nur wenigen Minuten hatte ich endlich meinen lang ersehnten Schlaf. In New York!

1 Kommentar:

Andreas Schreiber hat gesagt…

R.E.S.P.E.C.T.!!!

So lange auf den Beinen und so viel unternommen! WOW! Bin ja mal auf die ausführlichen Bilder gespannt!!!