Nachdem es letzte Woche wegen geschlossener Sporthalle ja nicht geklappt hatte, hab ich diese Woche Dienstag mit meinen Kollegen Ryan und Chris eine weitere Sportart für mich entdecken können. Rackettball ist eine Art Squash und wird in einem ähnlichen Raum gespielt, jedoch ist der Raum ein wenig größer, der Ball springt mehr und die Regeln sind dementsprechend ebenfalls ein bisschen abgeändert. Aber genauso wie beim Squash kommt man hier schon nach kurzer Zeit dermaßen ins Schwitzen dass es nicht mehr feierlich ist. Macht aber auf jeden Fall Spaß, und nachher kann man in der Sportanlage der Uni ja noch ein bisschen Gewichte stemmen, Schwimmen gehen oder sonst jede Art von Indoor-Sport betreiben. Es ist unglaublich, wie groß die "War Memorial Gym" ist - und das ist nur einer von mehreren Sportkomplexen auf dem Campus der Virginia Tech.
Obwohl ich an dem Abend ob der sportlichen Anstrengung relativ kaputt war war ich dann noch mit Kanishk eine paar Runden Billard im Hokie House spielen, weil hier Dienstags das Spiel nur 25ct. kostet. Kanishk hat sich ja mittlerweile in unserer WG mehr oder weniger häuslich eingerichtet, obwohl er eigentlich nur ein paar Tage übergangsweise bei uns pennen wollte bleibt er nun wohl bis nächste Woche und macht es sich allabendlich in unserem Wohnzimmer auf der Isomatte "gemütlich".

Mittwoch habe ich dann endlich mal wieder ein paar Dinge auf der Arbeit auf die Reihe bekommen, hier stockte es vor allem in der letzten Woche ja gewaltig. Nun bin ich aber wieder recht guter Dinge, dass ich ab Montag wieder ordentlich Messreihen fahren kann um möglichst bald mit der Erfassung der Daten für meine Diplomarbeit fertig zu werden. Sind ja nun nur noch 9 Wochen hier in Blacksburg...
Am Donnerstag wollte ich dann eigentlich mit Anke, Aziza und ein paar derer Freunde (Joe, Agnes, Ali) im Lyric den Film "Talk to me" anschauen. Vorher hatten wir uns dei Dairy Queen noch jeweils ein real american Eis genehmigt, was aber nicht wirklich ein Geschmackserlebnis und kein Vergleich zu einem guten deutschen (bzw. italienischen) Eisbecher ist. Jedenfalls saßen wir dann im Kino und warteten und warteten auf den Film als man uns dann irgendwann mitteilte, dass der Film verheddert sei und heute nicht gezeigt werden könne. Kann man leider nichts machen, und da man aber schon mal Downtown ist und der Abend noch jung bin ich dann mal wieder in die Rivermill getigert. Dort habe ich Kellyn in Begleitung ihrer Freundin Cathrin getroffen. Bei diversen Shots und Shooters mit unaussprechlichen Namen und noch undefinierbareren Mischungen aus Alkohol und Fruchtsäften verging dann ein netter Abend, an dessen Ende ich die vollkommen angeheiterte Kellyn aber noch nach Hause bringen musste - soviel Pflichtgefühl bringt man ja noch mit, und es war wohl auch gut so denn nach ihrer Aussage konnte sie sich am nächsten Tag absolut an nichts mehr erinnern.
Also war ich Donnerstag erst so gegen 2 Uhr zuhause (zweimal quer durch Blacksburg latschen dauert halt doch geraume Zeit), und so ging es gestern abend dann weiter. Nach dem frühen Feierabend und einem kurzen Nachmittagsschlaf hab ich nen Kuchen gebacken und mich aufs Rad geschwungen, um rechtzeitig zu Daniels Überraschungs-(abschieds)-party da zu sein. Seine Freundin Melissa und sein Kumpel Kamal hatten dies organisiert und alle Freunde eingeladen, sich in Daniels Apartment zu versammeln und auf ihn zu warten, um beim nach Hause kommen seinen verdutzten Gesichtsausdruck zu sehen. Leider reist er ja schon nächste Woche wieder nach Deutschland zurück um dort sein Studium zu beenden. Die Überraschung ist auch gut gelungen, und die Party ging so bis ca. halb 3 sodass ich per Fahrrad gegen 3 zuhause eintrudelte.
Umso schwerer war es dann heute morgen, rechtzeitig aus den Federn zu kommen und sich aufs Rad Richtung Stadion zu schwingen. Denn das heutige Football-Spiel ging ja schon um 12 Uhr mittags los, und glücklicherweise hatte ich ja diesmal endlich ne Karte dafür bekommen!!! Daher bin ich mit meinem Kollegen Toni aus Stuttgart dahin, und obwohl ich mir in der glühenden Mittagssonne einen deftigen Sonnenbrand am Nacken geholt habe (ich hatte ne Karte in der Südkurve :) ), war es einfach...

Phantastisch!!! Wir hatten ein tolles Spiel, ein mit 65000 Plätzen ausverkauftes Stadion, eine umwerfende Athmosphäre und das passende Endergebniss: die Hokies haben mit 17:10 gegen das Team der University of North Carolina gewonnen. Die Halbzeit-Show bestand zwar aus der Krönung von "King and Queen Homecoming 2007" und war eine Farce bzw total langweilig, aber dafür war das Spiel sehr unterhaltsam und auf erstaunlich hohem Niveau! Abgesehen von insgesamt 3 Interceptions und ein paar diletantisch verspielten 4th Downs war das Spiel sehr ansehnlich und actionreich.

Endlich wurde mir auch mal klar wofür die militärische Big Band ständig auf dem Drillfield übt und uns Studenten mit Blasmusik beläst... äh, beglückt. Die Jungs und Mädels sorgen nämlich vor, während und nach dem Spiel sowie während der zahlreichen (TV-)Pausen [das Spiel heute wurde US-weit übertragen] für Stimmung. Oder das was allgemein dafür gehalten wird. Komisch ist schon, dass die Amis hier total ausflippen, wenn ein Touchdown erzielt wird oder das Schiedsrichtergespann eine Fehlentscheidung zu Ungunsten der Hokies fällt, aber im Gegenzug bereits vor Ende des Spiels das Stadion verlassen, wenn eben jenes bereits entschieden ist oder erscheint. Obwohl hier ja sonst alles geehrt wird und das Aufstehen bei der Nationalhymne ja Pflicht ist, wird am Ende den Helden auf dem Platz, die uns 3 Stunden gut unterhalten haben, nur ein müdes Klatschen auf dem Weg zum Ausgang entgegengebracht.

Ach ja, apropos Nationalhymne. Die war natürlich mein absolutes Highlight heute. Nicht weil ich die Melodie so toll fände oder sonst irgend etwas damit assoziieren würde. Aber während die Band die Hymne aufspielte konnte man diesen dünnen Streifen am Horizont erkennen, der langsam größer wurde und ein sich näherndes Flugzeug ankündigte.

Letzte Woche hatte ja eine Galaxy-Transportmaschine den obligatorischen Fly-Over über das Stadion in Blacksburg durchgeführt, und diesmal...

... war es eine Northrop B-2 Spirit!!! Genau, dieser unheimliche, dreieckige Nurflügel-Tarnkappenbomber, von dem es weltweit nur 21 Stück gibt und von denen einige auf der Whitworth Air Force Base in Missouri stationiert sind! Die sind dann eben mal schnell nach Blacksburg rübergeflogen, und man fragt sich: Haben die sonst nichts zu tun? Wer zahlt die Kerosin-Kosten? Und fliegt da gerade ein Nuklearsprengkopf im Bauch des Ungetüms über einen?
Naja, für nen Luftfahrt-Studenten gibts wohl nichts cooleres, wie so ein Spiel losgehen könnte...
:)

















