Dienstag, 4. Dezember 2007

Back home!

Nach 6 1/2 Monaten im Exil bin ich am Sonntag morgen wieder wohlbehalten in Frankfurt gelandet und habe damit das Kapitel Auslandsaufenthalt in den USA abgeschlossen - das leidige Thema mit der Diplomarbeit ja leider noch nicht, da werde ich auch hier noch gut mit zu tun haben. Somit wird dies also vermutlich auch der vorerst letzte Eintrag in meinem Blog sein, und lustigerweise habe ich mit diesem Eintrag die magische Zahl von 77 Stück erreicht: genauso viele hatte ich während meiner 11 Monate in Barcelona auch geschrieben!
Am Freitag habe ich mich in Blacksburg an der Uni von allen verabschiedet, die nicht auf meiner Abschiedsparty am Donnerstag waren (ich berichtete). Weil ich ohne das Festhalten diverser Eindrücke definitiv nicht abreisen konnte musste ich auch noch diverse Bilder machen, unter anderem vom Büro meines Professors:

Einmalig und unvergesslich! :)

Abends war ich dann bei meinem zweiten von der GSA organisierten Wine Social - beim ersten zu Beginn meines Aufenthalts hatte ich ja die meisten der Leute kennengelernt, die ich heute als meine Freunde in Blacksburg bezeichne! Mit denen und vielen anderen habe ich mir also mal wieder eine Menge Wein schmecken lassen, die Koffer waren ja schon gepackt und einem lustigen letzten Abend stand nichts mehr im Weg.


Schon leicht angeheitert ging es dann in einer kleineren Gruppe weiter in den Cellar. Und obwohl der Alkohol-Pegel ähnliche Dimensionen hatte wie damals nach dem ersten Wine Social ist Sayak diesmal nicht von seinem Stuhl gefallen :D

Noch viel später war dann nochmal Abfeiern angesagt im Cabo Fish Taco. Zu halbwegs erträglicher elektronischer Musik haben wir die Puppen tanzen lassen, und erst beim Angehen der Lichter habe ich mich dann wirklich fuers letzte Mal von allen verabschiedet und den Bus nach Hause genommen.

Trotz dickem Schädel fiel mir das Aufstehen am nächsten Morgen nicht allzu schwer, zum Glück hatte sich Chris bereit erklärt mich gegen 7 Uhr zum Flughafen zu fahren. Abgesehen davon dass ich dort nochmal umpacken musste (blöde Übergepäck-Regelung: wo steckt der Sinn dahinter, den Kram umzuverteilen, die gleiche Gesamtmasse mitzunehmen aber dann doch nichts zahlen zu müssen?) ging alles problemlos über die Bühne, und gegen 11 kam ich an meiner vorläufigen Endstation an: in Atlanta. Leider hatte ich hier ja 7 Stunden Aufenthalt, und das Auffinden einer Möglichkeit, sein Handgepäck für diesen Zeitraum unterzubringen, erwies sich als Herausforderung. Weil in den USA ja jeder ein potentieller Terrorist ist, darf man in die bereitstehenden Schliesfächer nämlich nichts einschliessen. Macht auch Sinn, eine Sicherheitsbeamtin danebenzustellen die einem abgesehen von dieser profanen Information in keinster Weise weiterhelfen kann oder überhaupt will. Da wurde mir mal wieder klar, wofür ich in den Staaten meine mehr als 1000 Dollar Steuern bezahlt habe! Ist doch bestens angelegt, das Geld! :D Bedenklich finde ich allerdings, dass die Gepäckrückgabe in Atlanta direkt am Ausgang des Terminals ist, und es keinen Zoll oder sonstige Kontrolle für den Zugang dazu gibt...

Ich wollte keine 7 Stunden da rumsitzen und Daumen drehen, weshalb ich mich per Zug zum Martin Luther King Memorial Park begeben habe. Den Besuch seines Geburtshauses sowie seines Grabmales, diverser interessanter Gedenkausstellungen sowie der Kirche, wo der farbige Bürgerrechtler lange Jahre gepredigt hat, habe ich dem Coca Cola Museum, dem CNN Hauptquartier und den anderen "Attraktionen" der Stadt vorgezogen. Und es hat sich auch wirklich gelohnt, wer da mal vorbeikommt sollte sich das ganze Mal ansehen. 
Als Weisser ist man in der Gegend zwar eher die Ausnahme und bepackt mit meinem Laptop und meiner Digitalkamera habe ich mich beim Durchschreiten der doch sehr stereotypen Strassen doch ein ganz klein wenig komisch gefühlt, aber dafür hat mir dann ein ehemalig in Deutschland stationierter, farbiger US-Soldat, der jetzt heimatlos ist, alle Sehenswürdigkeiten Auburns (so heisst der Stadtteil dort) erklärt und mir für eine milde Gabe meinerseits eine originale Einsicht in das Leben dort gegeben.
Den Rest der Stadt fand ich dann sehr unspektakulär, so dass ich mich bis zum meinem Abflug bereitwillig mit asiatischem Fast Food und langen Sicherheitskontrollen beschäftigt habe. 

Und nur knappe 9 Stunden später und eine halbe Stunde früher als planmässig durfte ich dann dem deutschen Zollbeamten mit versteinerter Miene (er, nicht ich!) meine roten Pass unter die Nase reiben, meine Koffer wohlbehalten entgegennehmen - und unbelässtigt durch die Einfuhrkontrolle laufen. Auf der anderen Seite der Schiebetür erblickte ich dann auch gleich freudestrahlend Simone und meinen Papa! Daheim!!!

Da meine Eltern ja am Abend zuvor als Veranstalter für eine Hochzeitsfeier einer Freundin im Gartenverein in Erscheinung getreten waren, konnte meine Mutter nicht am Flughafen dabei sein - denn sie musste das Vereinsheim ja aufräumen. Also sind wir direkt vom Flughafen dorthin gefahren, um sie abzuholen und ggf bei den letzten Aufräumarbeiten zu helfen.

Meine Überraschung war dann dementsprechend gross, als ich dort angekommen keine zu spülenden Gläser, sondern einen Haufen meiner Freunde antraf! Meine Eltern und Simone hatten für mich eine Wiedersehensfeier organisiert und zum Brunch geladen!!! :) :) :)

Das hat mich total gefreut, und trotz gewisser Müdigkeit haben wir dann dort gesessen, gegessen und getrunken und uns die letzten "Neuigkeiten" erzählt - in 6 Monaten tut sich eben schon eine ganze Menge! Und an dieser Stelle noch einmal einen herzlichsten Dank an alle die da waren um mich in Empfang zu nehmen - ich habe mich wirklich riesig gefreut!!! DANKE!!!

Danke auch an alle Leser dieses Blogs, die mich während meiner Zeit in den USA mit netten Kommentaren begleitet und mir damit eine riesige Freude gemacht haben!

Jetzt geht die Eingewöhnerei hier in Deutschland wieder los, diverse Amtsgänge sind zu erledigen, der Umzug meiner Habseligkeiten nach Darmstadt zu organisieren, nebenbei noch ein bisschen an der Diplomarbeit zu schreiben etc. pp..... 

Und so geht dieses Kapitel zu Ende - in Zukunft kann ich dann hoffentlich öfter wieder persönlich berichten was es Neues gibt.

Freitag, 30. November 2007

Bye Bye Blacksburg!

Die letzten Tage hatten es nochmal richtig in sich - auf der Arbeit wurde ich festgehalten, weil ich fuer die Versuche der Firma parat stehen und den Windkanal bedienen musste. Mittwoch abend konnte ich mich zwar irgendwann gegen 7 fuer das Fussballspiel loseisen (welches Virginia Tech gegen California mit 3:1 gewann, das aber hoechstens auf Landesliga-Niveau war). Aber auch am Donnerstag war ich dann wieder voll eingespannt, nebenbei hatte ich noch eine Kalibrierung der Sonde vorzunehmen und war damit doppelt belastet. Eigentlich wollte ich diesbezueglich ja nen lockeren machen und all die Dinge fuer meine Abreise vorbereiten, die Einkaeufe fuer meine Abschiedsfeier erledigen, probeweise Kofferpacken, die Wohnung putzen etc pp. gekommen bin ich zu (fast) nichts, die Einkaeufe fuer die Party habe ich 3 Stunden vorher erledigt und dementsprechend gab es als deutsche Spezialitaet auch nur Bratwurst mit Sauerkraut und Kartoffeln zu essen - bloss nichts aufwaendiges und zeitraubendes!

Als Deko fuer die Party habe ich einfach ein paar Luftballons mit meinem Hauptarbeitsmedium gefuellt - Helium! Klasse wenn man dann doch ab und an das schoene mit dem nuetzlichen verbinden kann :) Die Party war auch trotz des einfachen Essens total klasse, es waren mehr Leute als erwartet da und dementsprechend wurden dann auch irgendwann die Sitzgelegenheiten knapp. Zum Glueck hat jeder irgendwas mitgebracht, seien es eben Tische und Stuehle oder etwas zu Essen wie das leckere indische Curry von Sayak, die Quiche von Sven, japanische Kartoffelbaellchen von Shinko, franzoesischer Schokoladenkuchen von Camille und die Tiramisu von Silvia. Spektakulaeres Highlight des Abends war aber mit Sicherheit die Entzuendung der Feuerzangenbowle, was hier in den USA vorher noch keiner gesehen hat. Da es draussen bitterlich kalt war und die Raucher ja auf den Balkon verbannt wurden genau das richtige, um sich innerlich aufzuheizen. Bei der Zubereitung und dem Ausschank der Feuerzangenbowle geht es ja nie so ganz ohne Sauerei, zum Glueck hat wenigstens der Teppich nichts abbekommen und nach dem heutigen 5 stuendigen Putzmarathon bin ich froher Dinge, dass ich zumindest ein paar Kroeten meiner Kaution wieder zurueckbekommen werde. Vorausgesetzt, Neeraj saut nicht wieder alles ein und macht ne gescheite Endreinigung ;)


Leider bin ich nicht alle Sachen, welche ich nicht mit nach Deutschland nehmen werde, losgeworden. Ich hatte eine Kiste mit all dem Ramsch vorbereitet, der sich so angesammelt hat in den letzten 6 1/2 Monaten. Und das ist ne ganze Menge. Daher durfte sich daran jeder bedienen, der Renner waren Buecher und die Golfbaelle sowie meine Fahrrad-Beleuchtung (das Fahrrad wollte leider keiner).
Den Rest habe ich dann zusammen mit den Party-Ueberbleibseln heute entsorgt und alles was mit in die Heimat soll in die Koffer gequetscht. Die wiegen jetzt gefuehlte 50 Kilo (jeder einzelne!), und ich bin mir fast sicher dass ich fuer Uebergepaeck bezahlen werden muss. Ich bin zwar der Meinung, noch relativ moderat eingekauft zu haben und habe auch eine Menge mitgebrachte Klamotten eingemottet, aber man unterschaetzt eben doch was sich so in 6 Monaten ansammelt.


Morgen frueh gehts dann also zum Flughafen, und langsam steigt die Aufregung und die Vorfreude bald wieder daheim zu sein. Ich kanns kaum noch erwarten! Sonntag morgen ists soweit! Andererseits hat der gestrige Abend mich dann doch auch ein bisschen traurig gestimmt, habe ich doch mal wieder gesehen wie viele nette Leute ich doch kennengelernt habe in der relativ kurzen Zeit und dass ich hier auch vermisst werde.


So, jetzt gehts aber gleich erst mal mit meinem Professor und den Kollegen auf ein abschliessendes Feierabend-Bier, fuehle mich geehrt dass mein Prof mich und die Kollegen dazu eingeladen hat (hat er wohl vorher noch nie gemacht, wenn jemand abgereist ist, selbst nicht bei den Doktoranden die 3 Jahre fuer ihn gearbeitet haben...) :)

Mittwoch, 28. November 2007

Endspurt

Puh, so kurz vor Schluss wirds dann doch nochmal ziemlich stressig und anstrengend. Zwar bin ich seit gestern ENDGUELTIG mit meinen eigenen Windkanalmessungen durch, aber seit heute ist ne Firma hier die den Windkanal fuer ihre Zwecke verwendet. Und da ich offenbar der Einzige bin, der das Teil bedienen kann, darf ich den Jungs natuerlich helfen und den ganzen Tag Handlanger spielen. Und weil die Kerle nur bis Freitag hier sind und bis dahin alles abgeschlossen sein muss, muss eben alles auch recht fix gehen. Auch der Kanal hat einen Zahn zugelegt, denn wir machen die Versuche jetzt bei Mach 6, also sechsfacher Schallgeschwindigkeit (bei mir warens ja "nur" Mach 4...). Und wie heizen Aerodynamiker ein Labor? Klar, sie verwenden den elektrischen Heizer bei 700 Grad (Celsius) und blasen mit Mach 6 Luft durch, die dann in den Raum stroemt. Warum einfach wenns auch kompliziert geht.

Eigentlich wollte ich ja heute ein bisschen einkaufen, daraus wird nun aber wohl doch nichts weil es schon wieder 18 Uhr ist, ich immer noch im Labor sitze und ich um 7 eigentlich das NCAA Championship Achtelfinale im Fussball zwischen Virginia Tech und California Tech gucken will. dann werd ich wohl morgen ein bisschen frueher Schluss machen, um die Abschiedsparty vorzubereiten, fuer die ich ein paar Leute in mein Apartment eingeladen habe. Wird bestimmt ganz lustig morgen, ich erwarte so etwa 10 Leute und wir werden indisches, deutsches, franzoesisches und italienisches Essen haben - mit amerikanischen Zutaten, selbstverstaendlich ;)

Und dann ist ja bald schon Freitag, also Koffer packen und die letzten Erledigungen erledigen. Bin also schon fast zuhause. Gedanklich zwar noch nicht so ganz, kann mir gerade kaum vorstellen dass ich in 3 Tagen wieder tausende Meilen mit dem Flieger zuruecklegen werde. Dafuer hab ich hier noch zu viel um die Ohren. Aber ich freu mich drauf!

Montag, 26. November 2007

Dress up for classes

Ueber den Kleidungs-"Stil" den hier manche Studenten an den Tag legen habe ich mich ja schon oft gewundert und auch ab und an darueber im Blog ausgelassen. Heute morgen war es aber mal wieder ganz abstruss. Vielleicht liegt es auch daran dass ich in den letzten Tagen der Thanksgiving-Ferien ohnehin kaum Menschen gesehen habe, aber was mir heute im Bus wieder ueber den Weg gelaufen ist laesst doch diverse Zweifel aufkommen, was in den USA als guter Geschmack gilt.
Zunaechst war da dieses Maedel, dass im Bus neben mir sass. Man konnte ihr foermlich ansehen dass sie heute morgen mal mindstens 2 Stunden im Bad gestanden hat, um sich zu schminken. Zu der Gesichtsmaske trug sie einen schicken roten Pulli, die unsaeglichen aber irgendwie ertragbaren Pluesch-Stiefel - und dann eine "Hose", die ich noch nicht mal auf eine "Bad Taste Party" anziehen wuerde! So ne Art Leggins, total ausgewaschen und mit Zitrusfruechten drauf. In Kombination mit dem Schlabber-T-Shirt unter dem Mantel sah das verdaechtig nach Schlafanzug aus.

Das war dann in der Kombination auch nur wenig verstaendlicher als der Kerl der mir gegenueber sass. Das es nun langsam kalt wird haelt ihn offenbar nicht davon ab, offene Schuhe zu tragen. Aber wenn man dann Socken dazu tragen muss, sieht das einfach noch laecherlicher aus.

Interessant war dann auch der Typ, der mir auf dem Weg zum Buero noch ueber den Weg lief. Ganz in schwarz, und in Leder. Schwarzer Lederhut. Schwarze Lederschuhe. Schwarzer Ledermantel, bis zu den Knien. Und dann zwischen den Knien und den Schuhen: kaesebleiche Beine. Moecht nicht wissen was der Kerl unter seinem Mantel traegt (oder ob er ueberhaupt was drunter anhat).

Jedenfalls finde ich es schon erstaunlich wie sich manche Leute hier in die Uni trauen. In Deutschland wuerde man dafuer von so einigen Profs mit Sicherheit aus dem Hoersaal geworfen. :)

Sonntag, 25. November 2007

Thanksgiving etc

Sonntag, der 25. November 2007, 9:05 Uhr. In genau 7 Tagen um diese Uhrzeit (MEZ, natürlich!) sollte Flug DL 020 aus Atlanta deutschen Boden berühren und mich zurück in die Heimat bringen. Ein paar Tage bleiben mir hier in Blacksburg also noch, aber langsam merke ich schon dass es dem Ende entgegen geht. Gestern beispielsweise habe ich meine letzten Versuche durchgeführt - ein letzter durchgearbeiteter Samstag, ein letztes Mal für eigene Zwecke Flaschen schleppen, das letzte Mal ueber komische Daten gewundert. Bleibt also "nur" noch die Auswertung und das Schreiben der Ausarbeitung, womit ich mich wohl wieder den ganzen Sonntag beschäftigen werde. Und langsam steigt auch die innere Anspannung ins Unermessliche, die mit der Rückreise verbunden ist. Ob alles in die Koffer passt. Ob mit dem Flug alles nach Plan klappt. Bald wieder bei Familie und Freunden zu sein. Mein Herz rast...

Diese Woche wurde hier in den USA ja Thanksgiving gefeiert. Aus diesem Anlass hatten die Studenten hier frei und sind grösstenteils zu ihren Familien oder sonst wo in den Urlaub gefahren, so dass der Ort und insbesondere der Campus mehr an eine Geisterstadt erinnert hat. Die einzigen, die zu dieser Jahreszeit in Blacksburg bleiben, sind die internationalen Studenten, die eben nicht mal schnell zu ihren Familien heimfliegen oder -fahren können. Ausser den paar Leuten die im Cranwell International Center am Dienstag beim Kuchenessen waren (es gab herzhafte und suesse Pies) hat man kaum jemanden gesehen. Aber was solls, ich war ja eh im Labor eingesperrt und hab nochmal mit Hochdruck an meinen Versuchen gearbeitet - da bleibt ja ohnehin kaum Zeit für soziale Kontakte :)

Donnerstag abend war ich bei meinem Professor eingeladen, um im Kreise seiner Familie das traditionelle Thanksgiving Dinner zu geniessen. Nach einer Fahrt auf dem Rad durchs mittlerweile eisig kalte Blackburg kam ich an seinem schönen Haus am anderen Ende der Stadt an, wo neben ihm und seiner Frau auch schon seine Kinder und Enkelkinder fleissig an der Vorbereitung des Abendessens werkelten. Wobei, die Aufgabe des Hausherren bestand eigentlich darin, den Truthahn zu zerteilen, die sonstige Arbeit in der Küche hat er dann doch eher den Damen überlassen :) Und das war vermutlich eine Menge Arbeit, wenn man mal die ganzen Bestandteile berücksichtigt. Nach dem obligatorischen Tischgebet mit Händen anfassen und betretenem nach unten gucken (da kam ich nicht drum herum :) ) gab es eine leckere Kartoffelsuppe. Auf diese folgte dann der Hauptgang mit dem in dunkle und helle Fleischteile zerlegten Truthahn, der köstlichen Füllung, Süsskartoffeln, Kartoffelbrei mit Speck, einem Brokkoli-Auflauf, Möhrchen, Cranberry Sosse und Cranberry Fluff (das ist Cranberry Sosse gemischt mit aufgeschlagener Schlagsahne und selbst für meinen Geschmack zu süss). Zum Abschluss des gelungenen Mahls in netter Runde gab es dann noch 3 verschiedene Pies (Pecanuss, Apfel und der obligatorische Pumpkinpie), aller äusserst köstlich und von des Professors reizender Enklin gebacken.

Offenbar gehört es dann selbst in Akademikerfamilien hier in den USA zum guten Ton, sich direkt danach mit den Kindern vor die Glotze zu setzen und einen kitschigen Weihnachtsfilm zu gucken. Nach so viel gutem Essen war mir aber eher nach ein bisschen Bewegung, und so habe ich dem jüngsten Enkelsohn mal gezeigt, wie man "richtig" Tischfussball spielt. Das einzige was mir Angst gemacht hat war der riesige weisse Wolf, dessen Fell mir gegenüber an der Wand hing. Ganz zu schweigen vom sibirischen Bären, der als Teppich das Wohnzimmer annähernd ausfüllte. Diverse Geweihe an den Wänden bin ich ja von der Wohnung meiner Grosseltern schon gewohnt, aber was hier an erlegten Wildtieren die Wohnung "schmückt" ist nicht mehr feierlich. Fehlt ja auch eigentlich nur noch der Leopard, den mein Prof diesen Sommer im Afrikaurlaub geschossen hat.

Ansonsten war das Erlebnis wirklich nett und es war interessant meinen Betreuer mal ausserhalb der Universität zu erleben. Lustig auch zu sehen dass das strenge Regiment nicht nur in der Forschungsgruppe herrscht, sondern auch daheim klar ist, wer die Hosen anhat. Was aber nicht bedeutet, dass er sich nicht rührend um seine Enkelkinder kümmern würde. Schön sowas. :)

Freitag war ich dann bei meinem Kollegen Ryan wieder zum Essen eingeladen, da er an diesem Abend mit seiner Verlobten und deren Mutter und Schwester das Thanksgiving Dinner einzunehmen gedachte. Auch hier gab es wieder eine schier unglaubliche Auswahl an leckeren Speisen inklusive des Truthahns der in keinen deutschen Backofen passen würde. Auch hier anschliessend wieder gemütliches Beisammensein - vor dem Fernseher. Wenigstens gab es diesmal keinen Weihnachtsfilm, sondern ne Action-Film-DVD. Wieder ein gelungener Abend und ein Tag weniger hier in der Fremde. Und wenn ich die letzten Tage jetzt auch weiterhin Pumpkin-Pie esse, gewöhn ich mich vielleicht sogar noch dran :)

Sonntag, 18. November 2007

Endlich!!!


Aber dann habe ich gester gleich mal den groessten Frevel begangen, den man als stolzer Mac-Besitzer eigentlich begehen kann:

na, wer findet den Fehler???

Ja, ich habe Windows XP auf meinem MacBook installiert. Nicht weil ich das ausschliesslich als Betriebssystem nutzen wollte, sondern einfach um meine Engineering-Software, fuer die ich nur Windoof-Versionen habe, zum Laufen zu bekommen. Es ist eben nicht so ganz einfach diesen Schritt von Microsoft zu Apple in einem Rutsch zu machen. Und schliesslich muss ich hier ja noch so eine Lappalie wie meine Diplomarbeit fertigstellen.


Das Tolle an der Sache ist, dass ich hier Windows in das verbannen kann, wo es hingehoert: in ein eigenes Fenster auf meinem Mac OS Desktop! Parallels machts moeglich! Und vor allem kann ich so im Falle eines XP-Absturzes (soll ja Geruechten zufolge in Einzelfaellen und wenn Weihnachten und Ostern zusammenfallen mal vorkommen) ratz-fatz einfach das Fenster zumachen und Windows quasi neustarten, ohne dabei aber meine Mac OS Leopard-Daten zu verlieren! So macht auch die Arbeit mit Windoof wieder Spass! :)

Im richtigen Leben war ich dann nach einer anstrengenden Arbeitswoche und einem verpennten Freitag-Abend (ich habe Svens Anruf, um sich zu treffen, schon um 8:30 Uhr einfach verschlafen) am Samstag bei meinem Kollegen Chris zum Football-Gucken und Barbeque eingeladen. Ryan war auch da und abgesehen davon dass es ein tolles Spiel mit erfolgreichem Ausgang fuer das Team der Virginia Tech war war es auch das letzte Heimspiel der Hokies und ein gelungener Nachmittag. Zwischendurch gabs "Brats" (das was man in Deutschland glaube ich Bratwurst nennt) und frisch/selbstgemachte Guacamole. Einfach gut.

Spaeter abend bin ich dann mit Sven und Sayak auf eine Feuerzangen-Bowle gegangen. Die Bowle war auch ganz gut (schliesslich war mit knapp 10 Deutschen auch alles noetige Wissen zur Herstellung des Gebraeus anwesend), aber die Party war recht lahm. Daher haben wir es dann irgendwann vorgezogen, bei Sven noch einen herzerfrischend schwachsinnigen Film mit Will Ferrell zu gucken.

Tja, und heute hocke ich mal wieder daheim, spiele mit dem Laptop rum und update meine Adressdaten. Ach, wenn wir schon dabei sind: Falls das einer liest der in den letzten Monaten umgezogen ist und es mir nicht mitgeteilt hat, bitte ich doch um eine nette Mail mit allem noetigen (Adresse, Telefonnummer, Koerbchengroesse, Lieblingsfarbe etc. pp.)

Montag, 12. November 2007

Oh Carolina!

Wie ich vernommen habe wartet die Welt schon ganz ungeduldig auf Neuigkeiten aus den USA, und da will ich Euch mal nicht laenger auf die Folter spannen. Leider gab es in den letzten Wochen nicht allzu viel Neues zu berichten und/oder ich hatte wenig Zeit mal was zu schreiben.

Dieses Wochenende war aber wieder mal was los. Am Freitag hatte ich von meinem Kollegen Chris ein Ticket fuers Basketball-Spiel der Virginia Tech gegen Elon bekommen. Das ist ne Universitaet aus North Carolina, und eben dieser Bundesstaat sollte mich das ganze Wochenende begleiten. Themen-Abend sozusagen. Das Spiel auf jeden Fall war sehr spannend und auf aeusserst gutem Niveau, zudem waren die Plaetze einfach Spitze und wir hatten eine tolle Sicht aufs Spielfeld und waren mitten im Geschehen. Leider hatte ich nur die alte DigiCam mit, daher gibts nur ein paar verwackelte Eindruecke von der tollen Atmosphaere.


Samstag morgen setzte ich mich dann ins Mietauto und fuhr... genau, nach North Carolina! Zu meiner Cousine Sylvia und ihrer Familie. Wenn man schon mal so "in der Naehe ist" muss man schliesslich auch die Gelegenheit nutzen, zumal wir uns seit 3-4 Jahren nicht mehr gesehen haben. Die 250 Meilen und 4 1/2 Stunden Fahrt sind fuer amerikanische Verhaeltnisse ja auch wirklich um die Ecke, und so konnte ich ein tolles Wochenende mit Sylvia, ihrem Mann Matt, den Kiddies Sarah und Casey sowie mit insgesamt 3 Hunden, einer Katze, 2 Geckos und einem Fisch in deren neuen Haus nahe Fayetteville verbringen. Schoen haben die 4 (und die Tiere natuerlich auch) es dort, eine eigenes kleines Reich mit Garten und naechsten Sommer soll sogar noch ein Pool dazu kommen. In Deutschland bleibt den meisten ja der Traum vom eigenen Haus verwehrt... So haben sie hier aber eben genug Platz fuer jeden, die Kinder koennen im Haus und im Garten herumtollen - wobei die Engelchen aber eigentlich gaaaanz brav und gut erzogen sind! Und eigentlich spielen die beiden ja auch am liebsten im Kofferraum von Mamis Auto :)



Ausserdem habe ich noch einen Teil von Matts Familie und ein befreundetes Paaerchen kennengelernt, und abends waren wir dann deutsch Essen. Bei Maritha, die vor Jahren aus Deutschland hierher immigriert ist und die Amerikaner mit guter deutscher Hausmannskost verwoehnt. War wirklich sehr sehr lecker und hat mir Lust auf mehr gemacht - ich freu mich also schon besonders auf Weihnachten, wo wieder so richtig geschlemmt wird! :)



Sonntag mittag haben wir uns dann zusammen die Innenstadt von Fayetteville angeschaut. Die "historische" Altstadt ist zwar wohl fuer amerikanische Verhaeltnisse auch recht alt, einem Europaer entlockt dies aber naturgemaess mal wieder nur ein leichtes Grinsen. So RICHTIG alt ist hier eben doch einfach nichts!

Natuerlich musste ich, wenn ich schon mal in North Carolina bin, auch mal ein originial Carolina Barbeque Sandwich probieren. Das Barbeque ist super-zartes Fleisch welches mit Essig speziell mariniert ist und total gut schmeckt, besonders eben auf nem Brot mit Coleslaw Salat! Tja, das hab ich hier in Virginia noch nicht probieren duerfen!

Am Sonntag nachmittag hiess es dann aber auch schon wieder Abschied nehmen - einerseits weil in Blacksburg noch eine Menge Arbeit auf mich wartet, andererseits hatte ich aber auch vor noch einen Abstecher ueber Charlotte zu machen und mir dort ein NBA-Basketball-Spiel der Bobcats gegen die Houston Rockets anzuschauen. Haette ich meine Jacke nicht bei Sylvia vergessen und nochmal 10 Meilen zurueckfahren muessen waere ich sicher auch puenktlich angekommen, so musste ich die Geschwindigkeitsbegrenzung auf den Bundesstrassen ein wenig ausdehnen und hab trotzdem 8 Minuten des ersten Viertels verpasst.

Letztlich war das aber auch nicht allzu schlimm, spannend wurde es eigentlich nur am Ende und die Stimmung im riesigen Stadion (das nur knapp halb besetzt war) war auch nicht annaehernd so gut wie in Blacksburg am Freitag. Mag vielleicht auch daran liegen dass ich umringt von einem Haufen Chinesen ganz oben und weit vom Spielfeld entfernt auf der Tribuehne sass. Und die Asiaten haben eben nur die Aktionen des Houston-Spielers Yao Ming beklatscht, der zum Leidwesen der Bobcats-Fans nicht nur aufgrund seiner 2,29 Meter Koerpergroesse (!) der herausragende Spieler an diesem Tag war. Gegen den Kerl sehen die anderen Spieler aus wie Kleinkinder, bemerkenswert wenn man bedenkt dass die meist auch knapp 2 Meter lang sind...

Zur Halbzeit gab es anlaesslich des heutigen "Veterans Day" (der in NC ein Feiertag ist, hier in Virginia aber wohl nicht *gemein* und an dem den Veteranen des US Militaers gedacht wird) eine entsprechend patriotistisch angehauchte Darbietung mit viel TamTam und Trara. Leider kein Aerosmith oder sonst ne Band die bei Football-Halbzeiten mal auftreten... ;)


Das Niveau des Spiels war leider nicht wahnsinnig viel besser als das was im College gespielt wird, und die Cheerleader in Blacksburg sind auf jeden Fall "heisser" - heissen ja nich umsonst Hot Techs ;) So wird das vermutlich mein erstes und letztes Live-NBA-Spiel gewesen sein.


Von Charlotte habe ich dann aufgrund der vorgerrueckten Stunde leider nicht mehr viel gesehen, habe aber auch noch von niemanden gehoert dass die Stadt wirklich sehenswert waere. Zumindest kann ich nun behaupten, mal dagewesen zu sein :)

Nach weiteren 2 1/2 Stunden Autofahrt war ich dann auch wieder "zuhause" in Blacksburg. Und alles in allem haben sich die 570 Meilen auf jeden Fall gelohnt: mal was anderes gesehen, die Familie getroffen, und sich vom Profi-Basketball desilusionieren lassen. Seit John Stockton und Karl Malone abgetreten sind ist die NBA eben doch nicht mehr das was sie mal war (Tomas wird sich an dieser Stelle wieder an den Kopf fassen :D).

Hoffentlich sehe ich Sylvia und ihre Familie bald mal wieder (und nicht wieder erst in 4 Jahren oder so), vielleicht das naechste mal ja sogar in Deutschland ?!?! Es sei denn ich reisse mich nun mal zusammen, schaffe noch ein bisschen was und kann dann ueber Thanksgiving doch noch mal runter in den Sueden fahren. Aber bis dahin ist es noch ein steiniger Weg und etliches zu schaffen, denn...

... in nicht mal mehr 3 Wochen bin ich ja schon wieder zu Hause!!! Also, im RICHTIGEN Zuhause! Zurueck in Deutschland! Bei meinen Eltern, meinen Freunden, und vor allem Simone. Ich freu mich drauf!

Zumal ich nun definitiv mindestens die naechsten 3 Jahre in Darmstadt bleiben werde, habe mich naemlich letztlich und endlich fuer eine Promotionsstelle an der TU Darmstadt entschieden. Aber dazu mehr beim naechsten Mal. Meine Druckluftflaschen warten mal wieder auf mich...

Mittwoch, 31. Oktober 2007

Halloween

Darkness falls across the land
The midnite hour is close at hand
Creatures crawl in search of blood
To terrorize yawls neighbourhood
And whosoever shall be found
Without the soul for getting down
Must stand and face the hounds of hell
And rot inside a corpses shell
The foulest stench is in the air
The funk of forty thousand years
And grizzy ghouls from every tomb
Are closing in to seal your doom
And though you fight to stay alive
Your body starts to shiver
For no mere mortal can resist
The evil of the thriller

Jaehrlich in der Nacht vom 31. Oktober auf den 1. November verwandeln sich die USA in ein Land der Monster und Zombies. Schulkinder streifen verkleidet duch die Strassen und betteln nach Suessigkeiten, Collegestudenten lechzen nach Alkohol. Es ist Halloween, und alles spielt verrueckt. Schon seit Wochen kann man alle moeglichen Devotionalien, Kostueme und Suessbabsch in allen Laeden kaufen und selbstgeschnitzte (oder vorgefertigte) Kuerbisse stehen auf jeder Veranda.

Um diesen urspruenglich keltischen Brauch angemessen zu feiern habe auch ich mich in Schale geworfen und in einen ausserirdischen schweinskoepfigen Vampirjaeger verwandelt. Ich steh ja eigentlich nicht so aufs Verkleiden und vor allem der deutsche Fasching/Karneval/Fastnacht geht ja ueberhaupt nicht an mich - erzwungene Froehlichkeit an bestimmten Tagen im Jahr ist eben nicht meins. Aber die Halloween-Party gestern in der Rivermill und spaeter bei Cabo Fish Taco war schon wirklich lustig, neben guter Musik (House statt nervtoetendem Hoehner-Geschunkel) gab es einen Kostuemwettbewerb und dementsprechend fantasievolle Verkleidungen. Am Ende haben die betrunkenen Schluempfe, meine Freundin Kellyn als Fuenftes Element und ein Kerl gewonnen, bei dem mir mal wieder nicht klar war was er darstellen soll. Es macht sich eben schon bemerkbar, dass ich kein Fernsehen hier hab, diverse subkulturelle Aspekte bleiben mir da eben verborgen.


Ansonsten ist mit dem November mein letzter Monat hier angebrochen, hab heute also zum voraussichtlich letzten Mal vergessen das neue Bus-Monatsticket einzustecken und mich dann doch gewundert, wie kalt es hier langsam wird. Denn seit heute muss ich morgens auch Eiskratzen. Am Fahrradsattel.

Sonntag, 28. Oktober 2007

Entjungfert

So, nun ist es also endlich passiert. Da musste ich erst 25 1/2 Jahre alt werden, um das mal erleben zu dürfen. Seit Freitag bin ich nun also offiziell keine Jungfrau mehr. Zumindest was das Miterleben einer Live-Aufführung der Rocky Horror Picture Show angeht. Nicht was ihr jetzt wieder gedacht habt. Tztztztz...


Auch wenn man den Film schon mal gesehen hat gilt das ja nicht wirklich, das wahre Erlebnis in all seiner Pracht ist nur in einem gefüllten Veranstalltungsraum mit leibhaftigen Darstellern zu begreifen. Inklusive Reis werfen, Wasserpistolengespritze und Bedecken des Hauptes mit einer Zeitung, lautstarker Kommentierung der Aufführung durch die Zuschauer, dem werfen von Toast und eben allem was dazugehört. In Amiland ist dies offenbar auch immer mit ein paar lustigen Spielchen mit den bis dahin jungfräulichen Zuschauern vor Beginn der eigentlichen Aufführung verbunden. Zum Glück konnte ich mich aber zumindest vor diesen leicht anzüglichen Spielchen retten. Kompletter Kleidungswechsel mit einer weiblichen Person auf der Bühne ist dann doch nicht so mein Fall. Und auch dem Unterwäsche-Lauf mitten im Film habe ich mich entzogen. Tja, da hätte ich halt vorher mal die "gute" Unterwäsche anlegen müssen. Wobei, einige der ja angeblich so prüden Amis sind eben auch ganz nackig durch die mit ca. 200 Leuten gefüllte Halle gelaufen. Bei einigen hatte man auch das Gefühl, dass die auf sowas das ganze Jahr schon gewartet haben, andere haben sich wohl durch den vorherigen Konsum alkoholisierter Erfrischungsgetränke bereits darauf eingestimmt. Wie dem auch sei, man staunt hier in Blacksburg doch immer wieder...


Zumindest bin ich nun eben offiziell entjungfert und habe dafür sogar eine Urkunde bekommen, die das hochoffiziell bestätigt. Eine andere Premiere hatte ich dann dieses Wochenende auch noch: mein erstes Halloween! Naja, Halloween ist ja eigentlich erst am Mittwoch, dennoch wurde am Samstag schon mal kostümiert vorgefeiert. Und die wahre Party steigt dann eben in der Nacht auf den 1. November. Nachdem ich Samstag den ganzen Tag zuhause rumgehangen und nichts gemacht hatte bekam ich gegen Mitternacht einen Anruf vom Fünften Element, dass ich doch unbedingt in die Rivermill kommen sollte. Dem konnte ich mich freilich nicht entziehen und habe mich in meiner Robe aufs Rad geschwungen.


Dort war dann auch gut was los, und nachdem der Sensemann neben mir an der Bar gegen halb 2 die letzte Runde geordert hatte (scheiß Sperrstunde!) ging es dann weiter zu einer Privatparty von Freunden von Freunden von Freunden. Auch wenn ich kaum jemanden (er)kannte - wie auch bei den Kostümierungen! - war es sehr lustig, und so durfte ich endlich mal wieder zu richtig gescheiter europäischer Elektromusik abtanzen. Und kurz vor der Heimkehr gegen 5 konnte ich gar noch einem echten Südstaaten-Hillbilly-Rap-Battle beiwohnen. Es gibt schon echte Originale hier...

Donnerstag, 25. Oktober 2007

Der Himmel weint

Seit 2 Tagen regnet es hier in Blacksburg. Ununterbrochen. Und in Strömen. Cats und Dogs, wie der gemeine Brite zu sagen pflegt. Ob es damit zu tun hat, dass Aziza, eine marokkanische Bekannte, heute wieder über den großen Teich zurück in die (Wahl-)Heimat Italien geflogen ist? Am Dienstag hatte sie zum Abschied ein richtig leckeres Couscous gekocht und mit Freunden einen netten Abend verbracht.

Oder liegt es daran, dass die Hokies das wichtigste Football-Spiel der Saison im heimischen Lane Stadium gegen Boston College heute abend verloren haben? Bis 4 Minuten vor Ende stand es ja auch noch 10-0 für Virginia Tech, bis die Bostoner dann noch mit 2 Touchdowns punkten und die Stimmung im Stadion und in ganz Blacksburg unter den Gefrierpunkt senken konnten...

Andererseits muss es ja irgendwo runterprasseln, wenn in Kalifornien schon die Wälder brennen und dort kein Tropfen des herbeigesehnten Regens den Boden berührt. Irgendwo muss das ganze Wasser ja hin, und da trifft es momentan wohl eben Virginia. Das Ganze ist schon echt nicht mehr lustig, weil es zusätzlich noch ziemlich kalt geworden ist in den letzten Tagen. Auf regennasser Fahrbahn hat mein Freund Sayak dann heute sogar sein Auto geschrottet, naja, hoffentlich ist da noch was zu retten, aber wie gesagt: irgendwo hört der Spaß auf!

Genauso wie bei der ARD: Donnerstags ab 22:45 Uhr ist dort ab sofort Humorfreie Zone. Hat jemand die Schmidt/Pocher-Show gesehen? Ich habe mir das vorhin per Internet angetan und mich dermaßen darüber geärgert, dass die Öffentlich Rechtlichen für so einen Pausenclown wohl(-un-)verdiente GEZ-Gebühren rausschmeißen. Schlimmer noch. Nicht nur dass dieser Pocher vermutlich ne total überzogene Gage erhält, so zerstört er auch jeden Witz in der Sendung. Und es wird ganz schnell klar, das der Futzi mit den Pointen unseres Harrys intellektuell nicht mal ansatzweise mithalten kann. Was hält die ARD denn von der Jugend? Glauben die dass auch nur ein Jugendlicher diese Show nun anguckt, nur weil da ein Vulgär-Idiot das Niveau unter Normal Null senkt? Wie wäre es stattdessen mit "Schlag den Pocher" im Vorprogramm, um uns dann unseren Harry in seiner einzigartigen Pracht wieder in gewohnter Form darzubieten?!?!

Zum Abreagieren war ich dann im Kino und habe mir mit Sayak und Kellyn einen wunderbaren Film namens "Across the universe" angeschaut. In groben Zügen könnte man den Film als "Beatles Musical" bezeichnen, mit hervorragend dargebotenen Interpretationen der größten Hits der "Fabulous Four" die sich wunderbar in den Plot einfügen. Zum ersten Mal habe ich mich dabei ein wenig näher mit den Texten einiger Beatles-Lieder beschäftigt, und mit den unterschiedlichen Botschaften welche sie transportieren. Vermutlich sollte man den Film daher aber auch im englischen Original sehen. Also, ab in den Turmpalast!!!

Und nun höre ich nach Langem mal wieder das Blaue Album und lasse mich gleich von John, Paul, George und Ringo in den Schlaf singen...

Sonntag, 21. Oktober 2007

Herbst

Nun bricht also doch langsam der Herbst an, die Temperaturen sinken beträchtlich und die Blätter verfärben sich nicht nur bunt sondern fallen auch von den Bäumen. Dafür scheint die Sonne noch ab und zu ganz schön so dass ich mich heute mal wieder veranlasst sah, ein bisschen Zeit an der frischen Luft zu verbringen. Gestern war ich ja lang genug in geschlossenen Räumen - zunächst vormittags im Walmart, später dann im Labor auf der Arbeit, dann für knapp 2 Stunden zum Racquettball spielen in der Sporthalle und danach dann wieder im Labor - und heute hatte ich eigentlich keinen Grund mich aus dem Haus zu begeben. Für die Weinverkostung, zu der ich heute eigentlich gehen wollte, hat sich niemand gefunden, der mit mir hingegangen wäre. Und irgendjemand muss ja im Zweifelsfall dafür sorgen, dass ich wieder heil nach Hause komme, wenn es schon gute Weine zur "flat rate" gibt :)

Also habe ich mir mal wieder meine Kamera geschnappt und ein paar Schnappschüsse gemacht. Irgendwie muss ich mal dafür sorgen, dass meine Bilder mehr Aussagekraft bekommen. Habe daher schon mal angefangen, den ein oder anderen Online-Fotokurs durchzuackern. Vieles davon kommt mir auch bekannt vor und klingt einleuchtend, aber es ist eben doch nicht ganz einfach bei der Bildgestaltung alle Aspekte zu bedenken. Und manchmal fehlt einfach doch das passende Motiv für das, was man gerne zeigen würde.

Trotzdem gibts mal wieder eine Auswahl meiner Erzeugnisse:





Freitag, 19. Oktober 2007

TUD rulez!!!

Jaaaaa, wie sind eben doch die Besten!!! Naja, vielleicht nicht die allerbesten, denn beim Ringen um den begehrten Titel als "Exzellenzuniversitaet" ist Darmstadt ja wieder leer ausgegangen. Das stand ja schon nach der Vorauswahl fest. Aber dafuer wird die TUD nun in 2 sogenannten Exzellenz-Clustern und einem Graduiertenkolleg finanziell staerker gefoerdert. Und gerade das Exzellenz-Cluster "Smart Interfaces" ist fuer mich und meine anstehende Entscheidung, auf welchem Gebiet ich meine Promotion durchfuehren werde, durchaus interessant. Mit 6,5 Millionen Euro jaehrlich laesst sich schon eine Menge anstellen, und vielleicht springt da ja auch ein interessantes Projekt auf dem Gebiet der Grenzschicht-Beeinflussung brei raus.

Wir werden es sehen. Zu begruessen ist die Entscheidung auf jeden Fall! Das muss gefeiert werden!!! (Oh weia, bei dem Gedanken meldet sich mein Kopfschmerz schon wieder... :) )

Selbstversuch

Der uebermaessige Konsum alkoholreicher Longdrinks am gestrigen Abend veranlasst mich heute nicht nur dazu, den heutigen Tag arbeitstechnisch eher ruhiger angehen zu lassen (die letzten Tage waren auch stressig genug), nein, zudem unterziehe ich mich noch einem pharmazeutischen Selbstversuch um die These zu ueberpruefen: "Amerikanische Aspirin wirken nicht, da kann man genauso gut Jelly Beans lutschen".

Um meine Kopfschmerzen (aus was stellen die hier in den USA denn Wodka her???) zu besaenftigen habe ich mir aus dem Universitaets-Buchladen (!) aus der mannigfaltigen Auswahl an Allergie-Blockern, Erkaeltungsmittelchen und Schmerzlinderern ein Doeschen Aspirin ausgesucht. Das Haemmern im Kopf mit Ibuprofen oder diversen anderen Wirkstoffen unbekannten Namens zu bekaempfen erschien mir dann doch zu gewagt, daher habe ich mich fuers gute alte Aspirin entschieden (Paracetamol gabs leider nicht). Die weissen Tabletten a 325mg kommen in einer kleinen Plastikdose und passen wunderbar in die Hosentasche, so als Snack fuer zwichendurch also bestens geeignet.

Angefangen habe ich mit einer Tablette, aber das ist wohl nicht die richtige Einstiegsdosis, gebracht hat es naemlich rein garnichts. Nach dem Mittagessen habe ich mir eine zweite Ladung, diesmal mit 2 weissen Kuegelchen, verabreicht. Nun fuehl ich mich ein wenig besser, was aber auch damit zusammen haengen kann dass sich der Koerper ja auch irgendwann selbst erholt und ich meinen Nachdurst mit ausreichend "Hokie Water" stille.


Die Frage, ob es sich bei den Aspirin nur um Placebos handelt, bleibt also zumindest fuers erste weiter ungeloest. Interessant ist aber der Hinweis auf der Rueckseite der Flasche. Dort wird nicht ueber maximal empfohlene Dosen oder aehnliches referiert, nein, es findet sich der folgende Text (frei uebersetzt):

Wenn sie taeglich 3 oder mehr alkoholische Getraenke konsumieren, fragen Sie Ihren Arzt ob sie Aspirin oder andere Schmerzmittel verwenden sollten. Aspirin kann Magenblutungen hervorrufen.

Klasse, jetzt bin ich ja beruhigt! Zum Glueck trinke ich ja taeglich nur 2 Long Island Iceteas... Und eben nur ab und zu 5 Wodka Lemon, so wie gestern abend!

P.S.: Das naechste Besaeufnis steht schon wieder vor der Tuer, hat jemand gute Tipps fuer ein Halloween-Kostuem das die Aufnahme alkohollastiger Getraenke nicht behindert? Hatte ja an ein Vampir-Outfit gedacht (laut Internet-Test bin ich charakterlich mit Graf Zahl aus der Sesamstrasse verwandt), habe aber die Sorge, dass mir dann irgendwann das falsche Gebiss ins Cocktailglas fallen koennte...

Mittwoch, 17. Oktober 2007

Home Sweet Home

Ein bisschen Heimat in der Fremde

Dienstag, 16. Oktober 2007

Warum?

Warum gibt es im Supermarkt zwar salziges Popcorn in 4 verschiedenen Butter-Stufen, mit Käse-, Karamell- oder Knoblauch-(!) Geschmack zu kaufen, nicht aber süßes Popcorn?

Warum muss ich für 8 Päckchen TASCHENtücher (also keine Kleenex-Box), die noch nicht mal einen halbstarken Schneutzer schadlos überleben, 3 Dollar zahlen?

Warum gibt es bei Krogers ein Zeitschriftenregal, in dem eine gesamte Reihe mit Jagd- und Waffenzeitschriften zugemüllt ist, aber dafür kein gescheites Fliegermagazin?

Warum laufen nun schon, da sich der Sommer langsam dem Ende neigt und die Temperaturen sinken, alle Wasserstoff-Peroxid gebleichten Blondinen (ca. 90% der Studentinnen auf dem Campus) in Hotpants und Flip-Flops, aber mit einer Winterjacke über den Schultern durch die Gegend?

Und warum kündigt Apple 10 Tage im Vorhinein an, dass ab dem 26. Oktober der Leopard freigelassen wird und ich mir endlich mein MacBook zulegen kann?

Ich glaub ich bin hier doch im falschen Film. Zum Glück ist der Abspann ja schon nah!

Cut!

Samstag, 13. Oktober 2007

Händewaschen nicht vergessen!

Donnerstag war mal wieder ein bisschen Sport angesagt, und mit meinen Kollegen Ryan und Chris begab ich mich daher zu den Racketball-Courts in der War Memorial Gym. Von dieser Abwandlung des Squash hatte ich ja schon mal berichtet, aber nun kann ich auch mit ein paar Bildern aufwarten. Freitag waren wir dann beim Japaner essen und Samstag stand ein Barbeque bei einem weiteren Arbeitskollegen auf dem Programm. Bruce, einer der Kerle aus der Werkstatt, hatte auf seine Farm geladen und dort für Freunde und Familie ein grosses Fressen organisiert. Natürlich gab es Unmengen an Fleisch (aus eigener Schlachtung!), mayonaiselastigen Salaten und Bier, und auch das Wetter hat sich nochmal von seiner schönen Seite gezeigt. Zwar wird es nun abends schon sehr frisch, dafür lässt es sich tagsüber ganz gut in der Sonne aushalten.

Sonst gibt es diese Woche nicht viel Aufregendes zu berichten, die Versuche laufen, liefern komische Ergebnisse (aber damit werde ich wohl leben müssen) und ich warte mal wieder auf den Druckluftflaschen-Lieferanten, weil ich diese Woche 72 Flaschen verbraten habe.

Interessantes konnte ich dafür im Supermarkt entdecken. Dort werden seit einiger Zeit "Starter-Kits" für Schüler verkauft, die wohl auch irgendwie einem guten Zweck dienen. Neben einem Schreibblock, Radiergummi, Stiften, Klebstoff und einem Lineal befinden sich in dem Paket auch eine Packung Taschentücher (interessant, weil die sonst in dem Laden nicht verkauft werden und ich immer ewig weit radeln muss um mich damit einzudecken... ihr kennt mich ja) und: eine Flasche Desinfektionsmittel! Das gehört hier offenbar zu den elementaren Dingen die man immer griffbereit haben muss und die Kleinen sollen sich schon mal früh daran gewöhnen, möglichst minütlich ein paar Millionen Bakterien auf Handflächen etc abzutöten. In den Mensen die es hier auf dem Campus gibt steht auch an jeder Ecke so ein Apparat, mit dem man für hygienische Zustände am eigenen Leib sorgen kann.

Ist das nicht paranoid? Vor was haben die Leute hier Angst? Meinen die, man könnte so einem Terrorangriff mit biologischen Kampfstoffen vorbeugen? Und wenn hier jeder so um die Hygiene besorgt ist, warum wäscht sich dann jeder zweite Kerl, dem ich auf öffentlichen Toiletten begegne, auf dem Weg nach draußen nicht die Hände?

Mittwoch, 10. Oktober 2007

An Tagen wie diesen

Am vergangenen Samstag hat es mich in die wilde Natur gezogen. Zusammen mit meinem Kollegen Chris habe ich einen Wanderausflug zu den Cascades gemacht. Wandern in der freien Natur sieht auf amerikanisch dann so aus: Mit dem Auto fährt man ca. 30 min aus dem Kaff wo man wohnt irgendwo in nen Wald, vorbei an verstreuten Häuschen mit gepflegtem Garten und amerikanischer Flagge was sich dann Town nennen darf. Irgendwo kommt man dann an einem riesigen Parkplatz an, wo man eine Parkgebühr zu entrichten hat, und ab dort darf man dann loslaufen. Knapp 2 Meilen in Richtung der Wasserfälle, kurzer Aufenthalt mit Bildern und Planschen im Wasser, und dann 2 Meilen auf einem anderen Weg zurück.
Naja, so ganz profan wie das klingt ist es nun auch wieder nicht - die Landschaft hier in den Appalachen ist nämlich wirklich schön! Besonders nun da sich der Herbst langsam ankündigt und die Blätter der Bäume sich in die tollsten Töne verfärben sind die Wälder eine Pracht. Im Gegensatz zu dem was ich aus Deutschland so kenne sind dies hier nämlich vornehmlich Laubwälder (ist das das Gegenteil von Nadelwäldern?), und der "Indian Summer" macht das Wandern noch schöner als es ohnehin schon ist. Die erwähnten Wasserfälle sind ca. 25 Meter hoch und ergießen sich in einen kleinen See, wo man bei sommerlichen Temperaturen bestimmt hervorragende Abkühlung nach dem "anstrengenden" Hike finden kann. Wir haben uns dann aber doch mit einem kleinen Picknick begnügt und das Schwimmen den Kiddies und Hunden überlassen. Irgendwann ist man schließlich einfach zu alt dafür, sich überall naß machen zu müssen ;)


Der Sonntag stand dann ganz im Zeichen des nationalen Lieblings-Gewächses: Es ist Kürbis-Saison, und das wird nicht für schräge Fratzen an Halloween ausgenutzt sondern auch für ein "Pumpkin Festivall" im Nachbarort. Dort kann man Kürbisse sehen, ernten, kaufen, das Gewicht schätzen, essen, und was man noch nicht alles damit machen kann. Nebenbei gab es noch diverse Attraktionen für die Kleinen (Streichelzoo und Ponyreiten) sowie einen "Hay Ride" mit nem Traktor, der aufgrund der trockenen Bodenverhältnisse jedoch eher zum "Dust Ride" ausartete. Trotzdem hatten Anke, Nancy, Aziza und ich unseren Spaß und haben uns nochmal so richtig schön die Sonne auf den Pelz scheinen lassen, wer weiß wie lange der Sommer noch anhält!

Heute habe ich dann auch wieder mal die Sonne sehen dürfen. Zweimal. Beim Austauschen der Druckluftflaschen, die außerhalb des Labors gelagert sind. Und wofür das Ganze? Für den Spaß an der Freude! Denn die Ergebnisse waren ... halt, welche Ergebnisse? Der Windkanal-Gott, Bill Gates und mein eigener kleiner Mann im Kopf waren mir heute mal wieder ungnädig und haben dafür gesorgt, dass von meinen 3 Versuchen einer aufgrund eines Computer-Fehlers, einer wegen mysteriöser Phänomene bei Mach 4 und einer wegen Vergessen, die Vakuum-Pumpe anzuschalten, komplett ohne verwertbare Ergebnisse abgelaufen sind. Und ich einmal umsonst die Strapatze des Flaschenwechsels auf mich nehmen musste.

Zum Glück ist morgen ja der "National Depression Screening Day"! Per Instituts-Mail wurde ich darüber informiert, dass ich im Falle lustlosen und niedergeschlagenen Gemütszustandes morgen professionelle Beratung konsultieren und mich eines Tests unterziehen kann. Könnte. Hab ich nicht vor. Ich fands mal wieder - erheiternd! Was es nicht alles gibt, hier, in den USA...