Nach 6 1/2 Monaten im Exil bin ich am Sonntag morgen wieder wohlbehalten in Frankfurt gelandet und habe damit das Kapitel Auslandsaufenthalt in den USA abgeschlossen - das leidige Thema mit der Diplomarbeit ja leider noch nicht, da werde ich auch hier noch gut mit zu tun haben. Somit wird dies also vermutlich auch der vorerst letzte Eintrag in meinem Blog sein, und lustigerweise habe ich mit diesem Eintrag die magische Zahl von 77 Stück erreicht: genauso viele hatte ich während meiner 11 Monate in Barcelona auch geschrieben!
Am Freitag habe ich mich in Blacksburg an der Uni von allen verabschiedet, die nicht auf meiner Abschiedsparty am Donnerstag waren (ich berichtete). Weil ich ohne das Festhalten diverser Eindrücke definitiv nicht abreisen konnte musste ich auch noch diverse Bilder machen, unter anderem vom Büro meines Professors:
Einmalig und unvergesslich! :)
Abends war ich dann bei meinem zweiten von der GSA organisierten Wine Social - beim ersten zu Beginn meines Aufenthalts hatte ich ja die meisten der Leute kennengelernt, die ich heute als meine Freunde in Blacksburg bezeichne! Mit denen und vielen anderen habe ich mir also mal wieder eine Menge Wein schmecken lassen, die Koffer waren ja schon gepackt und einem lustigen letzten Abend stand nichts mehr im Weg.
Schon leicht angeheitert ging es dann in einer kleineren Gruppe weiter in den Cellar. Und obwohl der Alkohol-Pegel ähnliche Dimensionen hatte wie damals nach dem ersten Wine Social ist Sayak diesmal nicht von seinem Stuhl gefallen :D
Noch viel später war dann nochmal Abfeiern angesagt im Cabo Fish Taco. Zu halbwegs erträglicher elektronischer Musik haben wir die Puppen tanzen lassen, und erst beim Angehen der Lichter habe ich mich dann wirklich fuers letzte Mal von allen verabschiedet und den Bus nach Hause genommen.
Trotz dickem Schädel fiel mir das Aufstehen am nächsten Morgen nicht allzu schwer, zum Glück hatte sich Chris bereit erklärt mich gegen 7 Uhr zum Flughafen zu fahren. Abgesehen davon dass ich dort nochmal umpacken musste (blöde Übergepäck-Regelung: wo steckt der Sinn dahinter, den Kram umzuverteilen, die gleiche Gesamtmasse mitzunehmen aber dann doch nichts zahlen zu müssen?) ging alles problemlos über die Bühne, und gegen 11 kam ich an meiner vorläufigen Endstation an: in Atlanta. Leider hatte ich hier ja 7 Stunden Aufenthalt, und das Auffinden einer Möglichkeit, sein Handgepäck für diesen Zeitraum unterzubringen, erwies sich als Herausforderung. Weil in den USA ja jeder ein potentieller Terrorist ist, darf man in die bereitstehenden Schliesfächer nämlich nichts einschliessen. Macht auch Sinn, eine Sicherheitsbeamtin danebenzustellen die einem abgesehen von dieser profanen Information in keinster Weise weiterhelfen kann oder überhaupt will. Da wurde mir mal wieder klar, wofür ich in den Staaten meine mehr als 1000 Dollar Steuern bezahlt habe! Ist doch bestens angelegt, das Geld! :D Bedenklich finde ich allerdings, dass die Gepäckrückgabe in Atlanta direkt am Ausgang des Terminals ist, und es keinen Zoll oder sonstige Kontrolle für den Zugang dazu gibt...
Ich wollte keine 7 Stunden da rumsitzen und Daumen drehen, weshalb ich mich per Zug zum Martin Luther King Memorial Park begeben habe. Den Besuch seines Geburtshauses sowie seines Grabmales, diverser interessanter Gedenkausstellungen sowie der Kirche, wo der farbige Bürgerrechtler lange Jahre gepredigt hat, habe ich dem Coca Cola Museum, dem CNN Hauptquartier und den anderen "Attraktionen" der Stadt vorgezogen. Und es hat sich auch wirklich gelohnt, wer da mal vorbeikommt sollte sich das ganze Mal ansehen.
Als Weisser ist man in der Gegend zwar eher die Ausnahme und bepackt mit meinem Laptop und meiner Digitalkamera habe ich mich beim Durchschreiten der doch sehr stereotypen Strassen doch ein ganz klein wenig komisch gefühlt, aber dafür hat mir dann ein ehemalig in Deutschland stationierter, farbiger US-Soldat, der jetzt heimatlos ist, alle Sehenswürdigkeiten Auburns (so heisst der Stadtteil dort) erklärt und mir für eine milde Gabe meinerseits eine originale Einsicht in das Leben dort gegeben.
Den Rest der Stadt fand ich dann sehr unspektakulär, so dass ich mich bis zum meinem Abflug bereitwillig mit asiatischem Fast Food und langen Sicherheitskontrollen beschäftigt habe.
Und nur knappe 9 Stunden später und eine halbe Stunde früher als planmässig durfte ich dann dem deutschen Zollbeamten mit versteinerter Miene (er, nicht ich!) meine roten Pass unter die Nase reiben, meine Koffer wohlbehalten entgegennehmen - und unbelässtigt durch die Einfuhrkontrolle laufen. Auf der anderen Seite der Schiebetür erblickte ich dann auch gleich freudestrahlend Simone und meinen Papa! Daheim!!!
Da meine Eltern ja am Abend zuvor als Veranstalter für eine Hochzeitsfeier einer Freundin im Gartenverein in Erscheinung getreten waren, konnte meine Mutter nicht am Flughafen dabei sein - denn sie musste das Vereinsheim ja aufräumen. Also sind wir direkt vom Flughafen dorthin gefahren, um sie abzuholen und ggf bei den letzten Aufräumarbeiten zu helfen.
Meine Überraschung war dann dementsprechend gross, als ich dort angekommen keine zu spülenden Gläser, sondern einen Haufen meiner Freunde antraf! Meine Eltern und Simone hatten für mich eine Wiedersehensfeier organisiert und zum Brunch geladen!!! :) :) :)
Das hat mich total gefreut, und trotz gewisser Müdigkeit haben wir dann dort gesessen, gegessen und getrunken und uns die letzten "Neuigkeiten" erzählt - in 6 Monaten tut sich eben schon eine ganze Menge! Und an dieser Stelle noch einmal einen herzlichsten Dank an alle die da waren um mich in Empfang zu nehmen - ich habe mich wirklich riesig gefreut!!! DANKE!!!
Danke auch an alle Leser dieses Blogs, die mich während meiner Zeit in den USA mit netten Kommentaren begleitet und mir damit eine riesige Freude gemacht haben!
Jetzt geht die Eingewöhnerei hier in Deutschland wieder los, diverse Amtsgänge sind zu erledigen, der Umzug meiner Habseligkeiten nach Darmstadt zu organisieren, nebenbei noch ein bisschen an der Diplomarbeit zu schreiben etc. pp.....
Und so geht dieses Kapitel zu Ende - in Zukunft kann ich dann hoffentlich öfter wieder persönlich berichten was es Neues gibt.




