Sonntag, 25. November 2007

Thanksgiving etc

Sonntag, der 25. November 2007, 9:05 Uhr. In genau 7 Tagen um diese Uhrzeit (MEZ, natürlich!) sollte Flug DL 020 aus Atlanta deutschen Boden berühren und mich zurück in die Heimat bringen. Ein paar Tage bleiben mir hier in Blacksburg also noch, aber langsam merke ich schon dass es dem Ende entgegen geht. Gestern beispielsweise habe ich meine letzten Versuche durchgeführt - ein letzter durchgearbeiteter Samstag, ein letztes Mal für eigene Zwecke Flaschen schleppen, das letzte Mal ueber komische Daten gewundert. Bleibt also "nur" noch die Auswertung und das Schreiben der Ausarbeitung, womit ich mich wohl wieder den ganzen Sonntag beschäftigen werde. Und langsam steigt auch die innere Anspannung ins Unermessliche, die mit der Rückreise verbunden ist. Ob alles in die Koffer passt. Ob mit dem Flug alles nach Plan klappt. Bald wieder bei Familie und Freunden zu sein. Mein Herz rast...

Diese Woche wurde hier in den USA ja Thanksgiving gefeiert. Aus diesem Anlass hatten die Studenten hier frei und sind grösstenteils zu ihren Familien oder sonst wo in den Urlaub gefahren, so dass der Ort und insbesondere der Campus mehr an eine Geisterstadt erinnert hat. Die einzigen, die zu dieser Jahreszeit in Blacksburg bleiben, sind die internationalen Studenten, die eben nicht mal schnell zu ihren Familien heimfliegen oder -fahren können. Ausser den paar Leuten die im Cranwell International Center am Dienstag beim Kuchenessen waren (es gab herzhafte und suesse Pies) hat man kaum jemanden gesehen. Aber was solls, ich war ja eh im Labor eingesperrt und hab nochmal mit Hochdruck an meinen Versuchen gearbeitet - da bleibt ja ohnehin kaum Zeit für soziale Kontakte :)

Donnerstag abend war ich bei meinem Professor eingeladen, um im Kreise seiner Familie das traditionelle Thanksgiving Dinner zu geniessen. Nach einer Fahrt auf dem Rad durchs mittlerweile eisig kalte Blackburg kam ich an seinem schönen Haus am anderen Ende der Stadt an, wo neben ihm und seiner Frau auch schon seine Kinder und Enkelkinder fleissig an der Vorbereitung des Abendessens werkelten. Wobei, die Aufgabe des Hausherren bestand eigentlich darin, den Truthahn zu zerteilen, die sonstige Arbeit in der Küche hat er dann doch eher den Damen überlassen :) Und das war vermutlich eine Menge Arbeit, wenn man mal die ganzen Bestandteile berücksichtigt. Nach dem obligatorischen Tischgebet mit Händen anfassen und betretenem nach unten gucken (da kam ich nicht drum herum :) ) gab es eine leckere Kartoffelsuppe. Auf diese folgte dann der Hauptgang mit dem in dunkle und helle Fleischteile zerlegten Truthahn, der köstlichen Füllung, Süsskartoffeln, Kartoffelbrei mit Speck, einem Brokkoli-Auflauf, Möhrchen, Cranberry Sosse und Cranberry Fluff (das ist Cranberry Sosse gemischt mit aufgeschlagener Schlagsahne und selbst für meinen Geschmack zu süss). Zum Abschluss des gelungenen Mahls in netter Runde gab es dann noch 3 verschiedene Pies (Pecanuss, Apfel und der obligatorische Pumpkinpie), aller äusserst köstlich und von des Professors reizender Enklin gebacken.

Offenbar gehört es dann selbst in Akademikerfamilien hier in den USA zum guten Ton, sich direkt danach mit den Kindern vor die Glotze zu setzen und einen kitschigen Weihnachtsfilm zu gucken. Nach so viel gutem Essen war mir aber eher nach ein bisschen Bewegung, und so habe ich dem jüngsten Enkelsohn mal gezeigt, wie man "richtig" Tischfussball spielt. Das einzige was mir Angst gemacht hat war der riesige weisse Wolf, dessen Fell mir gegenüber an der Wand hing. Ganz zu schweigen vom sibirischen Bären, der als Teppich das Wohnzimmer annähernd ausfüllte. Diverse Geweihe an den Wänden bin ich ja von der Wohnung meiner Grosseltern schon gewohnt, aber was hier an erlegten Wildtieren die Wohnung "schmückt" ist nicht mehr feierlich. Fehlt ja auch eigentlich nur noch der Leopard, den mein Prof diesen Sommer im Afrikaurlaub geschossen hat.

Ansonsten war das Erlebnis wirklich nett und es war interessant meinen Betreuer mal ausserhalb der Universität zu erleben. Lustig auch zu sehen dass das strenge Regiment nicht nur in der Forschungsgruppe herrscht, sondern auch daheim klar ist, wer die Hosen anhat. Was aber nicht bedeutet, dass er sich nicht rührend um seine Enkelkinder kümmern würde. Schön sowas. :)

Freitag war ich dann bei meinem Kollegen Ryan wieder zum Essen eingeladen, da er an diesem Abend mit seiner Verlobten und deren Mutter und Schwester das Thanksgiving Dinner einzunehmen gedachte. Auch hier gab es wieder eine schier unglaubliche Auswahl an leckeren Speisen inklusive des Truthahns der in keinen deutschen Backofen passen würde. Auch hier anschliessend wieder gemütliches Beisammensein - vor dem Fernseher. Wenigstens gab es diesmal keinen Weihnachtsfilm, sondern ne Action-Film-DVD. Wieder ein gelungener Abend und ein Tag weniger hier in der Fremde. Und wenn ich die letzten Tage jetzt auch weiterhin Pumpkin-Pie esse, gewöhn ich mich vielleicht sogar noch dran :)

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