Samstag, 4. August 2007

Ein unmoralisches Angebot

Was soll man da machen? Wie kann ich mich dagegen wehren? So verführerisch, und dabei irgendwie undschuldig, so ganz in weiß! Diese elegante Form, sanfte Rundungen wohin man nur schaut, und dann erst der Preis! Ich weiß nicht wie lange ich mich noch dagegen sträuben kann...

... mir ein Apple MacBook zu kaufen! Was dachtet ihr denn? Mein allerliebster Schatz wartet doch zuhause auf mich! Aber gegen ein neues Notebook hätte sie bestimmt nichts einzuwenden! :)

Wegen des unglaublich niedrigen Dollar-Kurses und der zusätzlichen Sonderpreise für Studenten wäre es fast schon bescheuert, jetzt nicht auf nen Mac zu wechseln. Zumal in der neuesten Generation ja auch Windows lauffähig sein soll. Wie das aber in der Realität aussieht weiß ich eben nicht, und kenne auch niemanden der damit Erfahrung hätte. Ich mache mir da ein bisschen Sorgen um die vielen schönen Programme, mit denen ich arbeite und die meines Wissens nur unter Windows laufen. Nein, nicht Firefox oder sonstigen Kram, den man jederzeit ersetzen kann. Ich meine diese ganzen teuren Software-Produkte, die im Leben eines angehenden Maschinenbau-Ingenieurs eine zentrale Rolle spielen: CAD, CFD, etc. pp.

UND: Bis Mitte September gibts für die arme Studentengeneration sogar noch nen iPod nano gratis dazu! Das war der eigentliche Grund, warum ich mir das mit dem Mac nochmal genauer angeschaut hab, denn ich war schon kurz davor mir nen neuen MP3-Player zu bestellen.

Vielleicht kann mir ja jemand aus seinem reichhaltigen Erfahrungsschatz berichten, wie das so läuft mit der Kompatibilität zwischen Windows und Mac (würde gerne XP weiternutzen, würde ich mir einen neuen PC kaufen müsste ich mich ja sicher mit Vista rumärgern... noch ein Argument für Apple ;) ).

So, jetzt aber mal wieder zurück in die richtige Welt: gestern war ich für 2 Stündchen auf dem hiesigen Sommer-Stadtfest namens "Blacksburg Steppin Out", und zu meiner Überraschung war sogar richtig was los! Die Live-Bands waren ebenfalls erstaunlich abwechslungsreich und unterhaltsam, dazu gibt es noch bis heute abend leckeres Essen und ein angenehm sommerliches Wetter auszukosten.


Leider war das ganze dann doch eine recht einsame Angelegenheit für mich, obwohl ich die Augen offengehalten habe ob ich jemanden treffe, der mich kennt, ist mir niemand über den Weg gelaufen. Und da fast alle Leute, mit denen ich sonst so Kontakt habe, dieses Wochenende entweder "out of town" oder am arbeiten sind, konnt ich mich auch nicht verabreden. So hab ich der Musik also alleine gelauscht, umringt von einer Menge amerikanischer Familien und Studenten, die mir aber alle irgendwie fremd sind. Irgendwie gehöre ich nicht hierher, glaub ich. Vielleicht liegt es ja auch nur daran, dass ich "erst" knappe 10 Wochen hier bin. In Barcelona war´s am Anfang ja auch nicht leicht. Aber irgendwie habe ich das Gefühl, dass mir die Leute, die Lebensart, das ganze Drumherum immer noch so fremd sind wie am ersten Tag.

Ist natürlich auch eine Erkenntnis, die man nach so einem Aufenthalt mit nach Hause nehmen kann. Vielleicht ändert sich's ja auch noch. Abwarten. Und Tee trinken.

Oder Notebooks kaufen...

Mittwoch, 1. August 2007

Long way to go

1. August. In genau 4 Monaten bin ich also wieder zuhause. Bis dahin liegt noch ein langer, steiniger Weg vor mir. Zwar kann ich mich momentan nicht wirklich beklagen, denn es geht wirklich allmählich voran und ich nähere mich dem Tag, an dem ich endlich mal richtig mit den Experimenten beginnen kann. Trotzdem ist da noch einiges abzuarbeiten, was einfacher ist wenn man nicht so Kopfschmerzen hat wie heute. Deshalb bin ich mal ausnahmsweise schon um halb 4 nach Hause geradelt, wobei ich natürlich prompt ein schlechtes Gewissen hatte. Andererseits hätte ich heute ohnehin nicht viel mehr schaffen können, denn wieder einmal bin ich von den Jungs aus der Werkstatt abhängig. Was mir garnicht behagt, denn deren Arbeitsmoral und -geschwindigkeit korreliert ganz stark mit der Mondphase und dem Wasserstand des Jangtse in China. Wobei da sicherlich aufgrund der Gezeitenkräfte sogar ein Zusammenhang zu finden wäre, aber lassen wir das. Letzlich kann ich nur hoffen, das mein Kram fix erledigt wird. Die Aussichten dazu stehen aber nicht allzu gut, da mein Prof erstmal bis nächste Woche irgendwo unterwegs ist. Der ist nämlich der einzige, der es irgendwie schafft, den Mechanikern Dampf unter den Hintern zu machen.

Andererseits ist die Abwesenheit vom Chef natürlich auch ganz angenehm, denn dann muss man sich nicht alle 30 Sekunden panisch umschauen, ob er sich nicht doch angeschlichen hat und einem über die Schulter guckt. Mein Kollege reizt das sogar soweit aus, dass er die nächsten 10 Tage nicht in der Uni aufzukreuzen gedenkt. Und ich hab schon ein schlechtes Gewissen wenn ich mal 2 Stunden früher gehe...

Generell lässt all das ziemlich an der Arbeitsmoral hier zweifeln. Normalerweise ist, wenn ich morgens komme, noch keiner der anderen Graduate Students da, und oft bin ich der letzte, der das Licht ausmacht. Und auch mein Prof kommt täglich um 9 und lässt sich durch nichts davon abbringen, um 5 in seinen Feierabend zu verschwinden. Gut, der Mann ist auch schon über 70, da sollte man sich ja auch nicht mehr überarbeiten. Aber wenn ich mir angucke, welches Pensum andere Professoren in Deutschland da ableisten (einigen hab ich ja schon vom meine Studienarbeit betreuenden Prof erzählt) finde ich es schon verwunderlich, wenn die Staaten immer als das Land der absoluten Strebsamkeit und Produktivität gepriesen werden. Hab hier noch keinen gesehen, der sich überarbeitet hätte. Da schließe ich mich auch nicht aus, denn immerhin soll so ein Auslandsaufenthalt ja auch noch ein paar weitere Dinge bereithalten als nur Arbeit und Plackerei. Und wie bereits erwähnt: es sind ja noch 4 Monate. Bis zur (hoffentlich nur temporären) Arbeitslosigkeit.

Samstag, 28. Juli 2007

Spiderpig, Spiderpig,...

... does whatever a spiderpig does,
he can swing on a web, no he cant, he's a pig
look out, he is the spiderpig!


Habe mir heute mittag in Christiansburg den Simpsons-Film angeschaut, und ich kann nur sagen: für Fans der Serie ein Muss, ein Brüller nach dem anderen. Schade allerdings, dass der Film so kurz ist. Aber Maggie´s erstes Wort lässt ja hoffen... ;)

Ansonsten wachsen mir schon fast Schwimmhäute. Nicht weil das Wetter so toll wäre dass ich den ganzen Tag am Pool verbringen könnte, im Gegenteil. Nein, eher weil ich seit Tagen fast nur noch "Seafood" zu Essen bekomme. Donnerstag hatte ich mir im Supermarkt eine heruntergesetzte Packung frischer Schrimps gekauft und diese Abends mit Knoblauch und Zwiebeln in der Pfanne gebrutzelt. Gestern war ich dann bei meinem Kollegen Luca zum Essen eingeladen, der ja am Mittwoch seine Doktorarbeit präsentiert hat und daher zum Abschiedsessen geladen hatte. Zur Vorspeise gab es Penne mit Tomaten-Schrimps-Soße, und die Hauptspeise bestand aus gebackenem Lachs mit Kartoffeln. Und heute musste ich ja die Reste meiner Supermarkt-Schrimps verwerten, daher gabs nen Salat mit eben diesen kleinen Meeresviechern.

Sonst gibt es nicht viel Neues, nur dass ich meine allerliebste Simone momentan ganz dolle vermisse. Montag kommt sie aus München wieder, und dann können wir hoffentlich mal wieder telefonieren. Ich freu mich drauf. Aber bis dahin ist ja noch ein laaaaanges Wochenende über die Runden zu bringen...

Leider lässt das Interesse an meinem Blog ja zunehmend nach, zumindest wenn man der Entwicklung der Anzahl an Kommentaren glauben kann... Würde mich freuen, auch mal wieder öfter etwas aus der Heimat zu hören! Ich vermiss Euch doch alle!

Sonntag, 22. Juli 2007

The way back home

Die Ereignisse des Sonntags lassen sich schnell zusammenfassen. Warten.

Zunächst warten auf ein Mietauto. Denn durch diese geplatzte Rohrleitung in Manhattan war die Mietstation von Hertz für 2 Tage geschlossen gewesen, was dazu geführt hatte, dass für Sonntag zwar 77 Reservierungen vorhanden waren, aber nur 29 Autos in der Garage standen. Das führte natürlich zu tumultartigen Zuständen am Empfangstresen und einer Wartezeit von über einer Stunde, bis einige Autos von den Vermietstationen an den 3 Flughäfen der Stadt hergekarrt wurden.

Später dann die Warterei, endlich nach Hause zu kommen. Denn auch diesmal war wieder eine 11 stündige Fahrt zu absolvieren, wenigstens konnte ich mich diesmal unterwegs für ein Stündchen gescheit hinlegen während die anderen Minigolf spielten. Wieder diverese Highways in 5 Bundesstaaten zu befahren.

Und dann, endlich daheim: Warten auf den nächsten Tag und die Arbeit! Juchu!

Fazit: ein toller Ausflug, trotz der Reisestrapazen hat es sich auf jeden Fall gelohnt. Mal ein paar Tage rauszukommen, nicht an die Arbeit denken zu müssen, und etwas neues zu sehen. Insgesamt habe war ich jetz zumindest schon mal in den Bundesstaaten Virginia, West Virginia, Maryland, Pennsylvania, New York, Conneticut und Massachusetts. Nicht schlecht für den Anfang ;)

Samstag, 21. Juli 2007

Boston, MA (cont.)

Auch der Samstag stand zur Erkundung Bostons zur Verfügung. Nachdem wir aus dem Hostel ausgecheckt und das Gepäck am (Bus)Bahnhof verstaut hatten setzten wir uns wieder getrennter Wege in Bewegung. Mich zog es nämlich eher ins Hafenviertel, während meine Begleiter auf Shopping aus waren. Entlang der Hafenromenade schlenderte ich unter dem ständigen Platschen der Wellen an die Uferbefestigung entlang und konnte nach dem Streß der letzten Tage und dem dauernden Hetzen von einer Sehenswürdigkeit zur nächsten auch mal abschalten. Da auch die Sonne sich mal blicken ließ machte ich es mir auf einer Bank gemütlich und verbrachte die ein oder andere Stunde damit, den Blick über das große Blau schweifen zu lassen... und an die Heimat und meine Zukunft zu denken. Immerhin steht ja irgendwann die Entscheidung an, wie es weitergehen soll, wenn ich mein Diplom in der Tasche hab. Da dies (trotz der Widrigkeiten und Probleme auf der Arbeit, die ich ja auf dieser Reise mal hinter mir lassen wollte und meist auch konnte) hoffentlich bald eintrifft - ich rechne mit Januar nächsten Jahres - wird es langsam akut.


Wohin also? Da mir ja vermutlich so viele Türen offenstehen werden ist es nicht leicht, sich für etwas zu entscheiden. Naja, damit man sich richtig entscheiden kann muss das Angebot erst mal konkreter sein. Aber man sollte sich ja schon vorher überlegen, was es denn gerne sein sollte, und Bewerbungen etc wollen ja auch ein wenig im Voraus geschrieben und verschickt werden.
Nach langem Hin und Her und etlichen Wochen, die ich diese Gedanken nun schon mit mir rumschleppe, habe ich in Boston am Meer endlich mal die Zeit und Muße gehabt, mich für etwas zu "entscheiden". Ist zwar eigentlich nur so etwas wie eine Konkretisierung einer Wunschvorstellung, aber immerhin. Zumindest werde ich wohl als allererste Option nach Abschluss meines Studiums in Erwägung ziehen, in Darmstadt zu promovieren. Wenn ich bis dahin nicht vollkommen entnervt bin vom wissenschaftlichen Arbeiten und doch irgendeinen Job annehme, nur um bloß nie wieder etwas mit Windkanälen zu tun haben zu müssen.

Aber letztlich kann ich mir doch recht gut vorstellen, mich noch eine gewisse weitere Zeit wissenschaftlich zu betätigen und zu meinen Doktor zu machen. Eine "gewisse Zeit" ist freilich etwas untertrieben, denn leider dauert so eine Promotion in Darmstadt ja in der Regel 4-5 Jahre. Also mal eben so viel Zeit, wie ich bisher in Darmstadt mit dem Studium verbracht habe. Und bis ich dann fertig bin, wäre ich über 30. Vielleicht geht´s ja auch schneller, mal schauen.

Falls das nicht klappen sollte... tja, dann weiß ich im Moment auch nicht so recht weiter. Jobs gibt´s sicher in Hülle und Fülle (zumindest wird das ja immer erzählt), aber welche Richtung ich da einschlagen sollte weiß ich auch noch nicht so recht. Und wo es mich hinverschlagen würde.

Ich bin zumindest mal zufrieden mit dieser "Vorentscheidung", die Zukunft wird´s zeigen wie die Geschichte ausgeht. Und eigentlich war ich ja auch in Boston, um etwas von der Stadt zu sehen...

Also machte ich mich wieder auf die Socken ins Stadtzentrum, um dort im Quincy Market ein gescheites Mittagessen zu mir zu nehmen. Das "fangfrische Schwertfisch-Steak mit Reis" war auch wirklich gut und das kulinarische Highlight dieser Reise. An Hummer, der hier wirklich sehr günstig zu bekommen ist, hab ich mich dann doch nicht getraut, und auch so fiel die Auwahl zwischen den vielen Köstlichkeiten in der Markthalle schwer. Auch mit dieser Wahl konnte ich zufrieden sein.

Nachmittags ging es dann per Chinatown-Bus wieder zurück nach New York, wo wir im Candy Hostel (gerade mal 2 Häuser vom vorherigen Hostel entfernt) unterkamen. Der Eingang ins Hostel durch das Untergeschoss war erschreckend und ließ Zweifel an der Qualität der Einrichtung aufkommen, aber als wir dann im Eingangbereich ankamen waren wir erleichtert. Wie sich herausstellte war die auf der Reservierung angegebene Adresse der Hintereingang, und die Zimmer und sanitären Einrichtungen waren wirklich top! Wer mal nach NY kommt, dem kann ich diese bleibe in der 96. (und nicht 95.!) Straße West nur empfehlen!

Freitag, 20. Juli 2007

Boston, MA

Freitag morgens dann die Abreise nach Boston mit dem Chinatown-Bus. Dazu muss man natürlich erst mal nach Chinatown kommen, also etliche Stationen Metro fahren und dann die Passage durch die Metrostation Grand St. überleben, deren Geruch eher an nen Fischmarkt erinnert. Die Fahrt mit dem Bus war dafür ganz angenehm, und nach nur 4 1/2 Stunden waren wir an der South Station in Boston. Mit der Metro ging es dann zunächst ins etwas außerhalb gelegene, dafür ganz schöne Hostel, und danach besuchten wir den Campus Harvards, der altehrwürdigen Universität. Überraschend waren für mich dabei 3 Dinge: Erstens dass in einer der renomiertesten Universitäten der Welt die Bibliothek Freitags um 17 Uhr schließt, zweitens dass der zentrale Campus relativ klein und nicht so schön ist wie ich es mir ausgemalt hatte - und drittens, dass es gerade im Heiligtum des US-amerikanischen Bildungswesens eine unermessliche Zahl von Verrückten gibt, die sich für die neueste Ausgabe des Harry Potter-Romans (Teil 7 oder so) Stunden vor Verkaufsbeginn um eine kilometerlange Schlange einreihen, die einmal um den ganzen Block ging. So etwas hätte ich ja sonstwo erwartet, aber nicht nahe einer Universität, deren Studenten zu den höchstbegabtesten der Welt gehören sollen. Dies lässt mich zumindest daran zweifeln...


Der Campus des MIT, welcher in 35minütiger Lauf-Entfernung zu Harvard am Ufer des Charles Rivers in Cambridge gelegen ist, war für uns zu groß um alles zu sehen. Aber letztlich ist jede Uni ja wie jede andere, und mag sie noch so bekannt sein. Im Endeffekt machen ja die Leute den Ruf der Universität aus, das Lehrpersonal und die Studenten. Und von beiden war während der Sommerferien an einem Freitag nachmittag nicht allzuviel zu sehen.

Deshalb ging es per pedes weiter Richtung Downtown, was dann doch ein recht anstrengender und langer Weg ist. Aber es lohnt sich, und besonders der Boston Common als grüne Oase im Trubel der City ist ein netter Fleck, um mal die Beine hochzulegen und sich zu entspannen. Gestärkt starteten wir dann den Freedom Trail, eine Route quer durch die Innenstadt entlang derer die wichtigsten historischen Gebäude und Sehenswürdigkeiten aufgereiht sind. Da Boston mit seiner Geschichte als einer der ältesten Siedlungen in Neu England eine wichtige Rolle unter anderem im Unabhängigkeitskrieg einnahm, kann man hier viele "alte" Gebäude und nett restaurierte Flecken sehen, an denen sich mal etwas (für Amis) wichtiges abgespielt hat. Als (ignoranter) Europäer kann man sich, unwissend bezüglich harter Fakten amerikanischer Kriegstreiberei, also immer noch halbwegs schöne Architektur angucken. Und vielleicht sogar noch das ein oder andere lernen.

Jedenfalls bekommt man auf dem Trail einen guten Eindruck vom Stadtzentrum, der Weg endet dann am Denkmal "Bunker Hill" (hier hat sich irgendeine wichtige Schlacht abgespielt) oder an der USS Constitution, einem alten Segelschiff das im Marinehafen vertaut ist und jedes Jahr zum Unabhängigkeitstag (ich berichtete) ein paar Runden auf dem Fluss drehen darf. Alles nett anzuschauen, aber nach einem langen Weg brauchten wir dann spät abends mal eine Pause und machten es uns auf einer Parkbank "gemütlich". Beine hochlegen und so. Denn morgen ist ja noch ein Tag.

Donnerstag, 19. Juli 2007

Der erste (und einzige) ganze Tag in Manhattan

7:30 Uhr. Der Wecker bimmelt. Früh, aber man will ja auch was sehen, wenn man schon mal hier ist. Also Zähne geputzt, Turnschuhe angezogen - und einen dieser Kindheitsträume verwirklicht. Wenigstens einmal im Central Park joggen gehen, wie ein richtiger New Yorker. :)
Nach circa 3 Stunden hatte ich dann gerade mal die Hälfte des Parks gesehen, konnte kaum mehr stehen und hatte etliche Liter Wasser verschwitzt. Aber das war´s wert. Natürlich bin ich keine 3 Stunden lang gejoggt, habe mich auch mal hingesetzt und mir nette Plätzchen ausgeguckt (besonders angetan hats mir die ruhige Lichtung oberhalb des "Shakespeare Garden"). Unglaublich wie groß dieser Park ist, auf der Karte denkt man ja immer, das ist so ne grüne Insel auf der Insel, und die Größe Manhattans hatte ich auch total falsch eingeschätzt.


Nach dem Jogging-Trip ging es dann also nahtlos über zur Besichtigung der Südspitze Manhattans (ok, dazwischen lag ne Dusche, ein kurzes Frühstück im Café und eine halbstündige Fahrt mit der Metro. In Downtown befindet sich das Finanzzentrum der Stadt, des Staats, der USA, vielleicht sogar der Welt. Da wo diese beiden Türme mal irgendwann standen befindet sich nun eine große Baustelle, und nebenan beginnt die Wall Street.

Zum Glück hatte ich im Internet vorher recherchiert, dass es von der Alliance for Downtown New York eine kostenlose, 90minütige Tour gibt, die jeden Donnerstag um 12 am US Custom House am Bowling Green (ältester öffentlicher Park Manhattans) startet. Und da bekam ich dann alle Informationen über das Finanzdistrikt und die Architektur, die man brauchen kann. Zum Beispiel über den rasenden Bullen, welcher nach einer Finanzkrise in den 90ern von einem Künstler hergestellt und in einer Nacht-und-Nebel-Aktion mitten auf der Wall-Street abgeladen wurde um die Moral der Bänker zu heben. Und der nun an seinem immer noch provisorischen Bestimmungsort am Bowling Green bedingt durch die Schwerkraft jedes Jahr ein paar Zentimeter gen Süden wandert.
Alles in allem kann ich diese Tour nur empfehlen, genauso wie ein Blick auf die Seite NYC for free . Da ist auch für den studentischen Geldbeutel was interessantes zu finden.

Im Anschluss an die geführte Tour setzte ich mich in die Fähre nach Staten Island, um auf dem Weg dorthin die Freiheitsstatue aus der "Nähe" zu sehen. Und ein paar schöne Fotos von Manhattan zu schießen. Zusätzlich sah ich dann in Staten Island sogar noch die USS Intrepid im Dock liegen, dieses Freiluftmuseum in Form eines Flugzeugträgers, welches ich gerne mal besucht hätte. Leider ist das Schiff bis Ende nächsten Jahres zur Aufarbeitung im Dock, daher gabs nur nen Blick aus der Ferne.


Wieder zurück in Manhattan machte ich mich dann auf den Weg zur Brooklyn Bridge. Diese beschritt ich allerdings nur bis zur Mitte, denn ich wollte an diesem Tag ja noch so viel mehr sehen. Dazu gehörte Chinatown, Ground Zero - und das Empire State Building kurz vor Sonnenuntergang. Offenbar hatte ich dabei wirklich Glück, denn die Schlange war (untypischerweise) sehr kurz und ich konnte einige phantastische Blicke über die Stadt werfen, mit der tiefstehenden Sonne über New Jersey... dafür kann man auch mal 18$ ausgeben!


Später gabs dann ein kurzes Abendessen bei Subway und einen Spaziergang zum Times Square, wo ich die Bustickets nach Boston für den nächsten Tag besorgte und den M&M-Store aufsuchte. Eigentlich nur aus Interesse heraus, wie man ein 3-stöckiges Geschäft mit Schokolinsen füllen kann, war ich doch erstaunt, was es nicht alles von dieser Firma gibt - und für was Leute tatsächlich Geld ausgeben. Plastik-Utensilien in jeglicher Form, vom Stift mit Aufdruck zum M&M-Spender in Gestalt der Freiheitsstatue. Kitsch at it´s best, und wenn man sich vor Augen führt, das der Times Square wohl mit die teuersten Quadratmeterpreise der Stadt hat fällt es schwer zu verstehen, wie sich so ein Ramschladen halten kann. Beziehungsweise wieviele Touristen und sonstige Deppen es geben muss, die für Plastikschrott und Dickmacher Geld ausgeben. New York, New York - Ort der begrenzten Unöglichkeiten!