Freitag, 31. August 2007

Da geht er hin, der August

Die Ankunft meiner Bestellungen war für Dienstag oder Mittwoch vorgesehen. Deswegen hatte ich meinen Mitbewohner instruiert, doch bitte etwaige Pakete für mich entgegenzunehmen. Nachdem ich mit Sven am Dienstag dann wieder eine Runde Golf gespielt hatte - diesmal im strömenden Regen und mit noch schlechterem Handicap als beim ersten Mal - kam ich also durchnässt nach Hause - und fand ein Paket auf dem Esstisch vor! Toll dachte ich mir, die Kamera etc ist schon da! Dem war aber nicht so, stattdessen hatte sich überraschenderweise ein Päckchen aus Deutschland zu mir nach Virginia verirrt! Abgeschickt Mitte Juli und voll bepackt mit Nettigkeiten (und vor allem Süßigkeiten) traf das Paket nach ca. 5 Wochen bei mir ein. Nicht schlecht für eine verschiffte Sendung, und ich hab mich riesig darüber gefreut.

Am nächsten Tag hatte ich dann auch meine neue Digitalkamera in den Händen, und ich bin vollauf begeistert. Leider hat sich seither aber noch nicht wirklich die Möglichkeit ergeben, ein paar Probeaufnahmen zu machen, denn das Wetter ist einfach so schlecht in den letzten Tagen dass ich mich kaum aus dem Haus traue wenn ich nicht unbedingt muss. Heute morgen wäre ich angesichts des Nebels und Regen draußen am liebsten einfach im Bett liegengeblieben, und hätte ich nicht meinen Mietwagen abholen müssen, mit dem ich morgen nach Washington fahren werde, so hätte ich das vermutlich auch gemacht.

Irrsinnigerweise bin ich mit dem Mietwagen dann erst mal wieder nach Hause gefahren um das Auto dort zu parken und wieder mit dem Bus zur Uni zu fahren, denn ohne offizielles Parkticket oder ständiges Füttern der Parkuhr ist an legales Parken in der Nähe der Uni kaum zu denken. Aber was solls, die Busse fahren nun während des Semesters ja wieder sehr regelmäßig und morgen sitze ich noch lange genug im Auto, wenn ich mich in die Hauptstadt begebe. Mal sehen, ob mich dort ein freundlicheres Wetter empfängt und ich wenigstens dort ein paar schöne Fotos machen kann.

Sonntag, 26. August 2007

Blutgrätsche und Frustkauf

Die meisten haben ja jetzt schon per Chat oder Telefonat von mir zu hören bekommen, wie sch**** die letzte Woche war. Sorry wenn ich Euch damit auf die Nerven gehe, und ich weiß auch dass das wohl mal wieder so ne Phase ist, wo man durch muss und nach der alles wieder besser wird, aber trotzdem tut es manchmal einfach gut, sich so richtig auszukotzen. Danke allen, denen nun schon das Ohr blutet, für eben jenes offene.
Gestern hatte ich mir dann vorgenommen, beim Walmart mal so richtig "Frust-Shoppen" zu betreiben. Aber wie das so ist, außer einer Zahnbürste und ein paar Socken habe ich nichts gefunden, was meinem Geschmack entsprochen hätte (oder besser ausgedrückt: was ich dringend benötigt hätte, aber nicht vorrätig oder zu teuer war). Also bin ich mit leeren Händen aus dem Walmart wieder raus. Ist mir vorher noch nicht passiert, bisher hab ich hier zumindest immer etwas gekauft. Bei der insgesamt 1 1/2 stündigen An- und Abreise per Bus sollte man diese Chance nicht ungenutzt lassen. Aber gestern war wohl eben nicht mein Tag. Mal wieder.
Den krönenden Abschluss des Tages erlebte ich dann in der Kneipe "Rivermill" in Downtown. Dort war ich so gegen 23 Uhr eingetrudelt, nachdem ich lange mit mir selbst gerungen habe ob des grauenvollen Wetters doch noch auszugehen. In der Kneipe traf ich dann meinen Mitbewohner, der aber mit Pool-Spielen und nem Kumpel beschäftigt war, sowie einen weiteren Inder, der aber gerade am gehen war. Und sonst niemanden. Traurig, aber wahr, Blacksburg, an einem Samstag abend. Also ging es auch relativ früh wieder heim, denn sinnlos betrinken wollte ich mich auch nicht. Ist nicht mein Ding, vor allem nicht gegen Frust. Das gibt nur doppelte Kopfschmerzen am nächsten Tag.

Heute morgen hab ich mich dann wieder gegen 8 aus dem Bett geschwungen. Ich hätte natürlich gerne noch ein paar weitere Stündchen im Bett gelegen um den letzten Tag dieser verwunschenen Woche zu verkürzen. Aber leider ist mein innerer Rhythmus mittlerweile so auf die "Eastern Time Zone" abgestimmt dass ich fast jeden Morgen "pünktlich" (für was eigentlich) um 8 aufwache. Meinen Wecker hab ich schon seit Wochen nicht mehr benutzt. Naja, und weil ich dann eben schon wach war...

... hab ich mich aufs Fahrrad geschwungen und bin zur Driving Range gefahren. Wenn schon am Dienstag die letzte Golfstunde ist und wir eine ganze Runde auf dem Platz spielen will ich wenigstens da nicht ganz dumm aus der Wäsche gucken. Deswegen habe ich heute noch ein paar lange Bälle mit dem langen Eisen geschlagen, daran haperte es letzten Donnerstag ja vornehmlich. Mal schauen, ob das fruchtet. Weil ich nach dem Heimkommen total geschwitzt war dachte ich mir, hey, dann kann ich auch nochmal in den Pool springen bevor der Herbst losgeht. Gemacht, getan. Meine Oberarme werden es mir danken. Hoffentlich.

Jaaaaa, und nach dem Heimkommen und Duschen ereilte mich dann ein ganz herzallerliebster Anruf aus Deutschland, der im Sinne des letzten Blogeintrag positiv ausgedrückt nur als "böse Blutgrätsche" bezeichnet werden kann. Auf Details möchte ich an dieser Stelle im welt weiten Netz nicht weiter eingehen, aber es hat sicherlich nicht zu meinem Wohlbefinden beigetragen. Wer es nicht ohne mein Gejammer aushalten kann, darf mich bei Gelegenheit gerne drauf ansprechen.

Um mich irgendwie zu beruhigen und meinen Frust abzubauen hab ich keine Wände eingeschlagen, auch nicht laut rumgebrüllt oder mich dem Alkohol ergeben, sondern einfach einen Haufen Geld ausgegeben. Wollte ich ja Samstag schon machen. Im zweiten Anlauf ist mir das dann also "geglückt", und Amazon.com darf sich nun glücklich schätzen, von mir eine dicke Überweisung eines halben Monatsgehalts zu erhalten. Wofür?

Schaut selbst:
Die Canon EOS Rebel XTi (außerhalb der USA läuft sie unter der Bezeichnung EOS 400D) sollte dann zusammen mit ner Speicherkarte am Mittwoch bei mir sein. Zusätzlich zum lange ersehnten neuen Headset für den PC, denn Telefonate nach Deutschland mit nur einem Ohr sind auf Dauer sehr anstrengend. Und dann blutet´s ja auch nur einseitg.

Freitag, 24. August 2007

Halbzeit

Halbzeitstand in der Partie

USA - Deutschland








2 - 4

In den ersten 45 Minuten der teils schleppend, teils packend verlaufenen Partie konnte Deutschland seiner Favoritenrolle gerecht werden. Bereits in der frühen Phase kristallisierte sich heraus, dass es für die USA ein schwieriges Spiel werden würde. Nur durch Phasen harter Arbeit und vereinzelte Versuche der Selbstmotivation konnten gewisse Akzente gesetzt werden. Den Rest der Zeit spielte das amerikanische Team eher lustlos und unmotiviert auf. Gerade zu Beginn zeigten sich Schwächen in der Defensive, als es zu problematischen (S)Zähnen im Mund-Raum kam und das Team erst mal seinen Platz auf dem Feld (bzw. in einer Wohnung) finden musste. Hier konnte das Team Deutschland einen frühen Treffer landen, indem es Zusammenhalt und gegenseitige Hilfestellung in exzellenter Form darbot. Durch eine starke Teamleistung und gegenseitiges Aufbauen der 11 Freunde aus Deutschland stand es also 0:1 für das deutsche Team. Gute Freunde sind eben durch nichts zu ersetzen.

Kurze Zeit später gelang den USA jedoch der Ausgleich, indem man eine sehr interessante Aufgabenstellung für die Diplomarbeit präsentierte. Die Arbeitsbedingungen im amerikanischen Trainingslabor sind doch sehr gut, auch wenn der Erfolg manchmal länger auf sich warten lässt. 1:1 also durch die Arbeitsumstände.

Nach einer längeren Hängepartie gelang den USA durch eine gelungene Kombination von "Wine Socials" und "New-York-Urlaub" die glückliche Erhöhung des Zählerstandes auf 2:1 für die USA. Querrelen innerhalb des deutschen Teams trugen dazu bei.

Durch eine Konsolidierung der Probleme innerhalb der Mannschaft und ein erhöhtes Maß an Heimweh konnte Deutschland aber schnell den Gleichstand wieder herstellen. Dann gewann das Spiel an Tempo, und die USA kamen durch die Einwechslung einer angebotenen PhD-Stelle wieder in Fahrt, konnten dies jedoch bisher nicht in einen zählbaren Erfolg umwandeln. Im Gegenzug konnte Deutschland durch einen Konter in Form eines Ausschwärmens diverser Bewerbungen für eine Doktorandenstelle einen weiteren Treffer zum 2:3 erziehlen. Auch wenn nicht ganz klar ist, wer letztlich der Torschütze ist, so liegt das Gewicht nun doch wieder stärker auf Seiten der Deutschen.

Durch die unglaubliche Unterstützung der deutschen Anhänger, Familien und Freundin konnte der Vorteil noch auf 2:4 erhöht werden. Obwohl das Spiel während der letzten Minuten vor der Halbzeit durch mangelndes Engagement auf US-amerikanischer Seite und eine Einstellung der Arbeitsaktivitäten wieder ziemlich abgeflacht ist lässt die zweite Halbzeit hoffen. Ob die Amerikaner das Blatt doch noch zu Ihren Gunsten wenden können? Die Einwechslung des unbekannten aber vielversprechenden Golfsports könnte vielleicht noch einige Akzente setzen. Im gestrigen Trainingsspiel konnte dieser zwar nicht komplett überzeugen und es waren vor allem Defizite bei weiten Bällen zu erkennen, aber dafür bietet sich noch eine Menge Entwicklungspotential.

Hoffen wir nur für beide Teams, dass es nicht zu einer Verlängerung durch ein nicht zu bewältigendes Arbeitspensum kommt. Das Abflachen der Leistungkurve kurz vor der Halbzeit könnte jedoch darauf hindeuten, dass ein Rückspiel in Deutschland nötig sein könnte. Während dessen müsste dann eine schriftliche Ausarbeitung angefertigt werden, falls die Entscheidung nicht schon während der 90 Minuten fällt.

Wir hoffen auf ein weiterhin spannendes Spiel.

Mittwoch, 22. August 2007

boring...

Viel langweiliger und ereignisärmer als das vergangene Wochenende ist eigentlich nur noch: diese gesamte Woche! Nachdem ich am Samstag und Sonntag mal wieder gar nichts mit mir anfangen konnte startete ich am Montag in meine arbeitsmäßig uninteressanteste Woche seit ich hier bin. Denn was ist langweiliger, als absolut garnichts zu tun zu haben? Ich warte immer noch auf diverse Teile für meinen Versuchsaufbau, und gerade heute habe ich eine ganz tolle Mail bekommen derzufolge ich wohl auch noch einige Wochen auf zumindest ein Teil warten muss. Da es so nicht weitergehen kann werde ich, sobald die anderen Teile da sind, wohl wieder improvisieren müssen. Das wird vermutlich dazu führen, dass meine Testergebnisse nicht so schön aussehen werden, wie sie eigentlich sollten, aber nur halbwegs vertrauenswürdige Daten sind immer noch besser als gar keine Daten. Zumindest wenn ich bedenke, dass mir hier doch langsam die Zeit wegrennt.

So eine arbeitsarme Woche hat natürlich den Vorteil, dass man sich anderen Dingen widmen kann. So können sich jetzt diverse Firmen und Universitätsinstitute in Deutschland glücklich schätzen, meinen Lebenslauf, Leistungsnachweise und ein personalisiertes Anschreiben in den Händen zu halten. Mal sehen ob sich jemand meldet, insbesondere bei den Firmen mit ihren beknack.... äh tollen Online-Bewerbungs-Formularen (ich sag nur: Deutschnoten der Klassen 12 und 13 sowie Ausstellungsdatum des Führerscheins) bin ich da ja skeptisch. Entweder man wird irgendwann, irgendwie und irgendwo rausgefischt aus dem "Bewerberpool" (auch so ein tolles Wort, kommt man sich gleich vor wie ein unbedeutendes Tröpfchen im Meer der Willigen) - oder eben auch nicht, und man wird nie wieder etwas von der Firma hören, abgesehen von der automatisierten Bestätigungsmail, dass die Bewerbung eingegangen ist und meine Daten gespeichert wurden.

Andererseits hat sich mein Professor in Darmstadt gleich mit 4 (!) Angeboten für eine Promotion bei mir gemeldet, bin mir aber nicht so sicher ob irgendetwas davon das Richtige ist. Aber zumindest ist das ja schon mal ein positives Signal. Ich bin also gefragt! Auch wenn ich hier (zumindest momentan) sonst nur die Zeit absitze. Aber dafür kann ich ja nicht wirklich was.

Oh, mein Wochen-Highlight hatte ich dann gestern beim Golfkurs. Nach dem Putten und Chippen letzte Woche stand diesmal der "Full Swing" auf dem Programm. Abgesehen davon, dass ich heute Muskelkater ob des ungewohnten Bewegungsablaufes habe, bin ich nun in der Lage, zumindest halbwegs konstante Schläge hinzulegen. Arbeiten muss ich aber noch vor allem daran, meinen Oberkörper nicht auf und ab zu bewegen während der Schwingbewegung, was mir aus irgendeinem Grund nicht leicht fällt. Aber jeder hat ja so seine speziellen Problemchen am Anfang. Und spätestens nächste Woche werde ich dann meine erste richtige Runde auf einem Golfplatz zu spielen. Ich halte Euch dann über mein aktuelles Handicap stets auf dem Laufenden! ;)

Freitag, 17. August 2007

Truppeneinmarsch

Am Dienstag ist es passiert, die Uni wurde von militärischen Truppen besetzt! Die Herren und Damen in Tarnfarben latschen seither des öfteren in geordneten Einheiten und laut irgendwelche Lieder grölend über den Campus. Die neuen Rekruten sind also da, genauso wie viele zukünftige "zivile" Studenten der VT. Nächste Woche geht hier der Unterricht wieder los, und so langsam trudeln eben die ganzen Erstsemestler mitsamt ihrer Familien ein. Was man daran merkt, dass sich der Verkehr auf den Straßen erheblich verdichtet, tonnenweise Pappkartons neben den Wohnheimen liegen wo mal Einrichtungsgegenstände der neuen Bewohner drin waren und eine Menge Halbwüchsiger mit kahlgeschorenen Haaren und Fleck-Tarn-Hosen durch die Gegend läuft. Morgens ist es ganz lustig diesen Gesellen beim "Workout" zuzusehen, auf meinem Weg zur Arbeit liegt eines dieser bekannten Trainingsareale für zukünftige Helden des Krieges. Noch sind sind Mamas Lieblinge überaus gut genährt und dementsprechend unbeweglich, was für mich als Zuschauer ganz amüsant ist. Seile klettern und Hindernislauf waren in der Schule ja auch nie meine Favoriten, aber wie sich einige der beleibten Kerle da anstellen ist schon lachhaft. Schwer vorzustellen, dass diese Leute mal das Rückgrat der weltweit bestausgestattetsten und modernsten Armee darstellen sollen / werden.

Wie dem auch sei, ich vergnüge mich derweil lieber mit meiner Arbeit und den tollen Ergebnissen, die ich Mitte der Woche erarbeiten konnte. Das gibt Grund zur Hoffnung dass ich auch bei den Messungen der nächsten Wochen nette Resultate bekommen könnte. Aber ich will mal nicht zu optimistisch sein, man soll den Tag ja nicht vor dem Abend loben. Stattdessen nehme ich jetzt lieber mal wieder ein leckeres Mittagessen im Büro zu mir und kümmere mich dann weiter darum, was mich momentan am meisten umtreibt: Bewerbungen für eine Promotionsstelle fertig zu machen. Denn heute hab ich für mein Projekt hier nicht viel zu tun, und dann kann ich die Zeit ja auch sinnvoll nutzen um die Zukunftsplanungen voranzutreiben.













Am Wochenende werde ich mich dann weiter darum kümmern und mich meiner "Dune"-Kollektion widmen.


Die obere Reihe der Bücher habe ich schon ausgelesen, nun mache ich mich an die Bände die neulich per Post eingetroffen sind. Ach ja, und mit nun mehr als 4 Wochen Verzögerung ist auch eine Postkarte aus Spanien eingetroffen, über die ich mich sehr gefreut habe, deren Ankunft ich aber schon fast nicht mehr erwartet hatte. Die Wege der Post sind unergründlich...

Dienstag, 14. August 2007

Die staatsbürgerliche Pflicht des Schlepp-Sklaven

Nachdem mein Wochenende wieder erstaunlich unspektakulär war (Tennis spielen Samstag abend, Basketball Sonntag morgen und sonst lesen und arbeiten) war gestern auf der Arbeit wieder gut was zu tun. Der Nachschub an Druckluftflaschen wurde endlich geliefert, und diese wollten natürlich gegen die alten ausgetauscht und rumgeschleppt werden. Also habe ich mich mal wieder als Gewichtheber in der 24x70kg-Klasse im "Reißen" (ich glaub so heißt das...) betätigt. Hier könnt ihr Euch mal ansehen wie das dann aussieht:


oder auch im Live-Bewegungsablauf:



Neben diesem Hochwuchten ist auch der Transport per Sackkarren über diverse Stufen recht anstrengend. Aber was solls, früher hat man nubische Sklaven zum Errichten der Pyramiden gezwungen, heute besorgt man sich nen Diplomarbeiter aus Deutschland um dem Imperialismus und Größenwahn der Vereinigten Staaten genüge zu tun. Nach getaner Arbeit sieht man dann so aus (man beachte die gelben Verfärbungen überall auf den Klamotten):


Abends kommt man dann nach Hause und denkt man hat für heute seine Pflicht getan, aber nichts da! Freundlicherweise hat der Postbote noch einen netten Brief hinterlassen, dessen Inhalt sofortiges Handeln erfordert: In Eschborn stehen die Bürgermeisterwahlen an! Und zum Glück darf man als deutscher Staatsbürger ja auch im Ausland seiner Pflicht nachgehen und per Brief wählen! Hoffen wir mal, dass die Stimme was ausmacht, vorausgesetzt der Brief kommt rechtzeitig zur Wahl in der Heimat an.


Samstag, 11. August 2007

Amtlich

Jetzt ist es also amtlich: gestern morgen hat mich mein Prof zum persönlichen Gespräch geladen und mir vorgeschlagen, nächstes Jahr nach Blacksburg zurückzukommen und meinen PhD hier zu machen. Der "Doctor of Philosophy" ist das amerikanische Pendant zum deutschen Doktorgrad, und damit eigentlich genau das was ich für die nächsten Jahre vorhabe. In seiner typischen Art hat Dr. Schetz das Thema kurz per Monolog erläutert und ist dann nahtlos zur Diskussion meiner Messergebnisse (die ich in schweißtreibender Arbeit diese Woche ermittelt habe) übergegangen - ohne mir eine Deadline für meine Entscheidung zu nennen. Ich soll einfach mal "darüber nachdenken". Angesichts der Tatsache, dass die notwendige Bewerbung bei der Graduate School erst Mitte Oktober fällig wird, ist auch noch ein wenig Zeit. Wobei ich meine Entscheidung ja eigentlich schon getroffen habe, wie ich bereits im Blog nach meinem Trip nach NY/Boston erwähnt habe. Mein vorrangiges Ziel in den nächsten Monaten wird es sein, etwas "gescheites" in Deutschland zu finden. Und sollte im Land der Dichter und Denker keine Promotionsstelle und kein Doktorvater zu finden sein, so kann ich ja immer noch versuchen, mich mit dem Gedanken anzufreunden, die nächsten 3 Jahre meines Lebens in den USA zu verbringen. Momentan kann ich mir das nicht vorstellen.

Eigentlich sollte ich mich ja freuen, dass so viel Vertrauen in mich gesetzt und meine "selbständige Arbeitsweise" so geschätzt wird. Und das Angebot, bei einem weltweit renomierten Forscher auf dem Gebiet der Überschallaerodynamik für gutes Geld und innerhalb relativ kurzer Zeit (3 Jahre) den Doktortitel zu erwerben, ist doch schon verlockend. Die Jobchancen nach so einer Promotion in den USA sind wirklich ausgezeichnet, was ich am Beispiel meines Kollegen Luca in den letzten Wochen erleben durfte. Nicht nur hat er ein festes Angebot von der California Tech, DER Aerodynamik-Uni auf Erden, für einen Post-Doc, sondern auch Top-Angebote von Rolls-Royce, EADS und General Electric. Letzteres würde ihn vielleicht nach München ins dortige Forschungszentrum führen. Vielleicht geht über diese Connection ja auch was für mich ;) Gestern waren wir dann nochmal Mittagessen und abends ein Bierchen trinken, denn heute ging´s für ihn zurück nach "bella italia". Bye bye, Luca!

In der Zwischenzeit ist hier in Blacksburg so richtig der Sommer ausgebrochen, am Dienstag durfte ich bei schweißtreibenden 100° (keine Angst: Fahrenheit! => ca. 35° Celsius) gleich zweimal meine jeweils 12 Druckluftflaschen austauschen. Hab mal nachgeschaut, die guten Dinger wiegen pro Stück im leeren Zustand 70 Kilo. Und pro Austausch sind ja nicht nur 12 leere sondern auch 12 volle Flaschen zu rangieren, rumzukarren - und letzlich auf die Haltevorrichtung am Windkanal zu heben. Insgesamt 48 x 75kg = ein schöner Muskelkater in Rücken und Beinen, dazu ein paar Schwielen an den Händen. Zum "Glück" bestand meine erste Golfstunde am gleichen Abend dann nur aus Theorie, erst nächsten Dienstag geht es dann tatsächlich mal aufs Grün.

Das Wochenende verbringe ich mal wieder mit der Lektüre diverser Veröffentlichungen zu meinem Forschungsthema, mal sehen ob mich das etwas erleuchtet. Heute abend werd ich wohl noch ein bisschen Tennis spielen und danach vielleicht mit den Indern Downtown unsicher machen. Mal abwarten, was das Wochenende noch so bringt.