Montag, 3. September 2007

Einfach mal raus

Dieses Wochenende habe ich es endlich mal geschafft, meinem nervigen Alltag hier in Blacksburg zu entfliehen und für wenigstens 2 Tage in die Hauptstadt der Vereinigten Staaten zu fahren. Und wenn man schon mal mit dem Mietwagen unterwegs ist kann man sich ja auch gleich ein paar andere Sachen mitangucken!


Meine erste Anlaufstelle war daher Charlottesville, welches die University of Virginia beherbergt. Die meisten Gebäude hier wurden von Thomas Jefferson, dem späteren Präsidenten der USA, geplant und gebaut, und heute zählt das Areal zum UNESCO Weltkulturerbe. Und ich muss sagen, so schön gelegene Studentenwohnungen wie hier hab ich bisher noch nirgends gesehen. Weil ich Samstag morgen relativ früh in der Stadt angekommen war waren allerdings noch nicht allzu viele Studenten aus ihren Federn gekrochen, was mir ein ruhiges Frühstück im Grünen bescherte.


Mit meinem Mietwagen (diesmal ein Dodge) ging es dann weiter ostwärts bis nach Richmond, der Haupstadt Virginias und der ehemaligen Kapitale der Konförderierten Staaten. Das hiesige "White House" ist zwar etwas enttäuschend und generell ist die Stadt nicht so die allerschönste, der Regierungsbezirk um die Capitol Square mit der Old City Hall und den vielen Statuen entschädigt aber für die Anreise und die Parkplatzsuche (Tipp: am Wochenende im Parkhaus des Krankenhauses für umme!). Ansonsten kommt an der ein oder anderen Ecke ein wenig Südstaaten-Flair auf, wenn man zwischen modernen Funktionalbauten eine reich verzierte Veranda entdeckt.












In Richtung Norden ging es nach einem schnellen Imbiss weiter Richtung Washington DC, mittlerweile war ja auch schon Mittag und der Verkehr verdichtete sich. Vermutlich wegen des langen "Labour Day Weekend" hatten sich viele Leute auf den Weg gemacht, und so stand ich ein paar Minuten im Stau bevor ich den Potomac überquerte und direkt an der Mall in die Stadt hineinkam. Dort parkte ich dann auch gleich direkt am Washington Memorial, zwar voll in der Sonne, dafür geht es wohl kaum zentraler. Zu Fuß erkundete ich dann zunächst die westliche Seite des großen Grünstreifens mit dem Washington Memorial, dem World War II Memorial, dem Vietnam War Memorial und dem Lincoln Memorial (wenn es von einem mehr als genung gibt in DC so sind das wohl "Memorials"... kann das Wort nicht mehr hören! ;) ). Alles sehr schön anzuschauen und vor allem touristengerecht angelegt, bei so viel Gedenken an den unzähligen Gedenkstätten und den Besucherströmen geht die Pietät jedoch recht leicht verloren.


Der weitere Weg führte mich am Weißen Haus vorbei, dort wo der angeblich mächtigste Mann der Welt seinen vermeintlichen Amtsgeschäften nachgeht. Hochsicherheit überall, und Autos wird mit Panzersperren die Weiterfahrt verweigert. Aber was soll man erwarten bei nem Kerl, der sich durch nur durch eine richterliche Entscheidung in das Präsidentenamt hochgeputscht hat, da muss man sich ja einbunkern... Trotzdem will das Haus natürlich jeder fotografieren, und deshalb drängelt man sich vor der Vorderseite und versucht das Teleobjektiv halbwegs geradezuhalten während man von rechts und links angerempelt wird. Die Rückseite des Hauses ist das viel entspannender und näher dran, und hier trifft man dann auch ein paar Demonstranten gegen Irak, schlechtes Gesundheitssystem und all die Macken, welche die US-Gesellschaft so hat und die gerne verschwiegen werden.


Obwohl es in Washington eine Menge interessanter Geschäfte gibt hatte ich keine Möglichkeit, einzukaufen. Denn dummerweise waren wegen des "Labour Day Weekend" fast alle Shops und sogar Restaurants (!) geschlossen, so dass ich weder Postkarten noch etwas gescheites zum Essen erwerben konnte. Außerdem war aus gleichem Grund das Capitol sowie die Library of Congress für Besucher geschlossen, diese sehenswerten Punkte werde ich wohl dann bei meinem nächsten Besuch abhaken müssen ;) Aber das Capitol ist ja auch von außen schön anzugucken, daher schlenderte ich noch ein wenig über die Mall und ruhte mich in einem der vielen (Skulpturen-) Gärten aus.


Nach einer Fahrt durch die Stadt kam ich dann ziemlich erschöpft nach einem langen Tag im Hostel an und musste mal wieder mit erstaunen feststellen, wie klein die Welt ist. Ich wartete gerade auf den Verwalter zum Einchecken als ich mit Erstaunen ein bekanntes Gesicht erblickte (das mich ebenso erstaunt zurück anguckte). Ein Kommilitone aus meinem Semester hatte sich ins gleiche Hostel in Washington verirrt wie ich. Er hat gerade ein Praktikum bei Siemens in den Staaten hinter sich und reist jetzt noch ein bisschen rum. Per Greyhound, was wohl nicht so ganz angenehm ist. Deshalb gabs nur nen kurzen Plausch und dann ging es ab in die Heia, um am nächsten Morgen wieder fit zu sein.

Meine erste Anlaufstelle war dann am nächsten Morgen die Union Station, der alte Bahnhof den ich mir aber irgendwie noch "größer" vorgestellt hatte. Danach setzte ich mich abermals ins Auto um mal raus nach Arlington zu fahren, denn die Museen machen erst um 10 auf und da hatte ich noch ein wenig Zeit um mir den Ehrenfriedhof mit all den kleinen weißen Marmor-Gedenksteinen und dem Grabmal John F Kennedys anzugucken. Zufälligerweiße stolperte ich dann noch in die Wachwechsel-Zeremonie am Grab des unbekannten Soldaten, und irgendwie läuft dieser militärische Protz-Akt doch überall gleich ab - konnte dem gleichen ja neulich in Stockholm schon beiwohnen.

Zurück in der Innenstadt begab ich mich dann in das langersehnte "National Air and Space Museum" der Smithsonian Institution (die in ihrerm Gesamtheit den größten Museumskomplx der Welt bildet). Eigentlich hatte ich nicht vor, länger als 3-4 Stunden hier zu verbringen, denn es warteten ja noch viele weitere interessante Museen und der Zoo auf meinen Besuch. Wiedermal durch einen glücklichen Zufall kam ich in eine kostenlose Führung rein, während derer uns ein ehemaliger USAF-Pilot in 2 1/2 Stunden durch die Geschichte der Fliegerei führte. Eine wirklich seeeehr informative und unterhaltsame Führung, die ich nur empfehlen kann und während derer es viele Informationen gab, an die man sonst nicht herankommt. (OK, insbesondere beim Thema WW II wurde es dann auch recht pathetisch, aber das erwartet man ja schon fast hier in den USA ;) ) Von den Flugversuchen der Gebrüder Wright Anfang des 20. Jahrhunderts über Charles Lindberghs Flug über den Atlantik 1927 bis zum "Space Race" zwischen den USA und der UdSSR war für jeden was dabei, und es ist wirklich toll mal diese ganzen berühmten Original-Modelle live zu sehen. Fasziniert war ich z.B. von dem Comand Modul Columbia, mit welcher die Apollo 11-Crew von der (angeblich) ersten Mondlandung zurückkehrte. Das Teil sieht schon wirklich echt aus, und da habe ich mal ganz kurz daran gezweifelt ob die Mondlandung tatsächlich in einem Hollywood-Studio inszeniert wurde... ;)

Nach der Tour war für mich aber noch lange nicht Schluss, dafür gibt es in dem Museum einfach zu viele Exponate die das Herz eines Aerodynamik-Studenten höher schlagen lassen. Außerdem sind mir auch hier im Museum wieder 2 alte Bekannte über den Weg gelaufen... Letztlich habe ich also den gesamten Tag (7 1/2 Stunden) in dem Museum verbracht, und es hätte locker noch ein weiterer Tag sein dürfen. Hoffentlich ist beim nächsten Mal dann auch die DM1 ausgestellt, ein Gleiter zur Erprobung des Überschallfluges und ein Kooperationsprojekt der Akafliegs Darmstadt und München. Der Flieger wurde nach dem 2. Weltkrieg von den Alliierten in die USA verschifft, dort aerodyamisch vermessen und dann in irgendeinem Hangar eingemottet wurde. Seither vergammelt das gute Stück wohl unter Aufsicht der Smithsonian Institution, hat aber wenigstens für diverse Überschall-Entwicklungen Pate gestanden!

(Hier ein Link zu einem aufschlussreichen Überblick über das DM-Projekt - Danke an die Münchner Kollegen! ;)

Wegen des Zeitmangels hab ich es dann auch nicht mehr in den Zoo geschafft weil der ebenfalls so früh zumacht und bin dann gen Heimat aufgebrochen. Über die Interstate 66 und einen Abstecher ins abendliche Shenandoah Valley fuhr ich dann innerhalb von 5 Stunden wieder nach Blacksburg, und ließ diesen schönen Ausflug nochmal Revue passieren. Nach insgesamt 632 Meilen bzw 1017 Kilometern kam ich dann spätabends wieder in Blacksburg an, und hatte nur 52 Dollar für Benzin ausgegeben... America Bless God, oder so... ;)

1 Kommentar:

Tomas hat gesagt…

COOOLES AUTO!

und offensichtlich ein sehr schöner Ausflug. Was bist du doch zu beneiden, einfach mal am Wochenende einen solchen Ausflug machen zu können!