Dienstag, 18. September 2007

Doch eher Spätsommer

Nachdem es letzte Woche ja nochmal richtig schön sommerlich warm war ist am Wochenende die Kälte in Blacksburg eingekehrt. Es ist zwar immer noch ganz passables Wetter (außer Freitags, wo das beim Kollegen geplante Barbeque wegen Dauerregens leider abgesagt werden musst und es stattdessen leckere Lasagne gab), aber besonders nachts wird es doch ziemlich frisch. Am Samstag habe ich mir bei meiner ersten kompletten Golfrunde über 18 Loch innerhalb der 4 1/2 Stunden auf dem Uni-eigenen Golfplatz auch schön einen kleinen Sonnenbrand geholt, ohne aber etwas davon zu merken - die ganze Zeit wehte nämlich ein überaus kühles Lüftchen. Wenigstens war ich halbwegs erfolgreich, denn auf dem Par 36 - Platz habe ich für die ersten 9 Löcher 65 und für den zweiten Durchgang 60 Schläge gebraucht. Klingt schon mal ganz passabel. Nachmittags war ich dann noch kurz schwimmen und am abend dann total erschlagen von der ganzen Sportelei.

Am Sonntag stand daher Entspannung auf dem Programm, schließlich hatte ich auch die letzten Tage der Woche intensiv zu arbeiten gehabt. Am Donnerstag hatte mir mein Professor nämlich mitgeteilt, dass er gerne bis morgen (also Freitag) ein paar Daten hätte, damit er ein Abstract für eine Konferenz-Veröffentlichung einreichen kann. Also habe ich den Windkanal ordentlich rennen lassen, was das Zeug hielt (bzw. solange die Druckluftflaschen reichten). Aber es hat sich wohl gelohnt, mein Prof hat sogar 2 Paper daraus gemacht und mich auf beiden als Co-Autor eingetragen. Und mir in Aussicht gestellt, für eines der beiden sogar als "First Author" zu agieren - damit käme ich dann bereits im Rahmen meiner Diplomarbeit zu meiner ersten wissenschaftlichen Veröffentlichung. Und das im Rahmen einer internationalen Konferenz, die im April in Dayton, Ohio, stattfinden wird. Warten wir also mal ab, ob das klappt, mit dem Namen meines Profs auf der ersten Seite ist die Chance jedoch sehr groß, dass beide Vorschläge für die Konferenz zugelassen werden. Zumindest hinsichtlich Scramjet-Forschung in den USA geht an Dr. Schetz nämlich fast kein Weg vorbei.

Weniger erfreulich war dann die gestrige Mitteilung, dass der bestellte Kompressor für den Windkanal (welcher eigentlich diese Woche geliefert werden sollte) wohl nicht vor Ende November eintreffen wird. Das heißt für mich, dass ich bis zum Ende meiner Zeit hier Druckluft-Flaschen durch die Gegend schleppen werden muss. Vielleicht meld ich mich also doch noch für die Gewichtheber-WM an, genug Trainingsmöglichkeiten werde ich noch haben.

Zur Ablenkung war ich gestern abend im Kino, lustigerweise gibt es hier in diesem Kaff ja eine Art Programm-Kino in welchem Filme gezeigt werden, die das "normale" amerikanische Publikum eher verschmäht, und welches zusätzlich als Theater fungiert. Netter Laden, leider hätte ich mir trotz des Wissens um den künstlerischen Anspruch des Etablisments nicht träumen lassen, dass "La vie en Rose", der biografische Film über das Leben und Schaffen Edith Piafs, tatsächlich im französischen Original gezeigt wird! Glücklicherweise gabs aber wenigstens englische Untertitel, so dass ich dem Treiben auf der Leinwand halbwegs folgen konnte.

Und heute war ich dann mal kurz auf der "Career Fair", der Karrieremesse an der Uni, und habe mir angeschaut, welche Firmen da so um die Gunst der Studenten werben und nach zukünftigen Mitarbeitern fischen. Für meinen Mitbewohner Neeraj sowie Kanishk, welcher in den letzten Tagen übergangsweise bei uns im Wohnzimmer genächtigt hat, ging es dabei ja um die Wurst, weil die beiden tatsächlich nach Jobs suchen. Ich habe mir das Ganze eher aus Interesse angeschaut, um mal zu gucken, welche Werbegeschenke denn so verteilt werden. Im Austausch für nen Lebenslauf bekommt man z.B. nen Memory-Stick, eine verschließbare Trinktasse, Knautsch-Footballs sowie die obligatorischen Kugelschreiber. Dafür muss man sich an gefragten Ständen wie denen von Microsoft, GE oder Boeing aber auch ne gute dreiviertel Stunde anstellen, um ein persönliches Gespräch mit einem der Personalverantwortlichen zu erhaschen. Das war mir dann doch zu blöd, und so hab ich mich lieber darüber amüsiert, dass die sonst so überaus leger gekleideten Studenten mal ihre Schlabber-T-Shirt und Trikots sowie Hotpants und Flipflops gegen Anzüge und Kleidchen eingetauscht haben. Und darüber, dass neben den üblichen Verdächtigen wie Army, Air Force und Navy sogar CIA und FBI sowie das Auswärtige Amt auf dieser Messe nach zukünftigen Staatsdienern suchen. Vielleicht sollte ich da morgen mal nachfragen, ob ich einen Einblick in meine Akte bekommen könnte, die wegen der ganzen Einreiseformalia als ausländischer Student bestimmt schon mal vorsorglich bei den Staatsschutz-Behören angelegt wurde...

3 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Hallo Alexander,
bin Stolz, dass Deine Arbeit in den USA gewürdigt wird. Es ist auch schon merkwürdig, dass der CIA öffentlich Leute anwerben tut,
aber in Amerika ist ja alles möglich, deshalb ist die Verbesserung Deines Golf-Handycaps`wichtig.

Andreas Schreiber hat gesagt…

Hm, also im Golf bin ich absoluter Nixwisser... aber ein Platz mit 18 Löchern im Paar 36 ist ganz schön krass oder? Wie rechnet man das? Ich dachte Paar - Schläge = Handicap???

Ja, so eine wissenschaftliche Veröffentlichung ist was feines, vor allem wenn sich dann andere auf deine Arbeit beziehen... Ich sag nur 3D Epitope Explorer... ;o)

Hab ich schon erwähnt, dass in Deutschland das große Diplomsterben begonnen hat? In meinem FB (18 ETiT) gibt es ab diesem Semester kein Diplomstudiengang mehr... nur noch so olle Kamelle wie ich dürfen das noch zu Ende studieren... :o(

Andreas Schreiber hat gesagt…

ahhh... Ich habe nun ein bisschen mehr Ahnung: Du hast nen 9-Loch-Platz gespielt... Ergo hast du als Handicap 53? Da geht was ;o)