Samstag, 30. Juni 2007

Wine Social

Nachdem diese Woche in akademischer Hinsicht wirklich nicht berauschend war und ich kaum ein Stück vorangekommen bin habe ich mir dieses Wochenende ja redlich verdient! Um standesgemäß ins Wochenende zu starten und vielleicht endlich mal ein paar Leute kennenzulernen habe ich gestern abend am sogenannten "Wine Social" der Graduate Students Association teilgenommen.

Ein "Social" ist ein gesellschaftlicher Event, der dem Zwecke dient, Studenten und Doktoranden anderer Fachbereiche kennenzulernen. Von dieser Studentenorganisation werden dazu immer wieder mal Gelegenheiten angeboten, vom Bootsausflug über Radtouren bis zu der Wein-Verköstigung, die gestern auf dem Programm stand. Traurigerweise gab es nur spanische und australische Wein sowie einen deutschen Riesling (der eher nach Limo schmeckte, so "lieblich" war der) zur allgemeinen alkoholischen Erheiterung. Obwohl auch hier im New River Valley angeblich ganz gute Weine angebaut werden, war von den lokalen Spezialitäten weit und breit nichts zu sehen.

Wenigstens habe ich dann aus der Ferne an der Weinbar Daniel erspäht, den Stuttgarter Luft- und Raumfahrttechniker mit dem ich schon mal mittags essen war. Als ich mich näherte stellte ich erstaunt fest, dass er auf Deutsch mit der ihn umgebenden Runde kommunizierte. So lernte ich dann noch diverse weitere Germans kennen, scheinbar gibt es doch eine erkleckliche Anzahl deutscher Studenten in Blacksburg. Neben den Deutschen bestand die Mehrheit der anderen Teilnehmer aus Gaststudenten aus aller Herren Länder, Amerikaner waren offenbar in der Minderheit. Nach dem Ende des Socials - Weinausschank gab es nur zwischen 17:30 und 21 Uhr - brachen wir in einer illustren Runde aus Deutschen, Indern, Italienern, Franzosen, Marokkanern und ein paar Amerikanern in Richtung "Cellar" auf, denn nach dem ausgiebigen Genuss diverser Perkelsäfte benötigten wir etwas Nahrhaftes in fester Form. Im Cellar war gut was los, ließen sich doch recht viele Stundenten nach dem gestrigen Ende der Sommer-(Nachhol-)Klassen ein Bierchen in den Kneipen der Blacksburger Downtown schmecken.

Nach diversen Pitcher unterschiedlicher Ales und Biere begaben wir uns dann noch ins "Rivermill" und später sogar noch ins "Hokie House". "Bier auf Wein, lass das sein", und weil ich ja bereits gegen diesen Grundsatz verstoßen hatte und keine Gerstensäfte mehr sehen konnte genehmigte ich mir zum Abschluss dort noch ein Vodka Lemon... Man gönnt sich ja sonst nicht, und schlimmer kann der Kater ja eh nicht werden ;)

So sitze ich heute also hier in meinem Zimmer, draußen regnet es und ich kuriere meinen dicken Kopf aus - aber dafür hab ich wenigstens mal ein paar Leute in meinem Alter kennengelernt und fühl mich nicht mehr ganz so alleine hier in dieser Stadt.

Mittwoch, 27. Juni 2007

What a (wonderful) world

Müdigkeit. Kopfschmerzen. Nichts klappt auf der Arbeit, es geht keinen Meter voran. Und ständig kommen neue Aufgaben hinzu, die bewältigt werden wollen. Und das an einem Tag, wo man nachts zuvor kein Auge zubekommen hat.

Was gibt es da besseres als Musik zum Entspannen?



Unglaublich dass diese wunderbare Interpretation von "Somewhere over the rainbow" sowie "What a wonderful world" von einem 800 Pfund schweren Hawaiianer stammt. Was lernt man daraus?

Nichts ist unmöglich.

Morgen ist ein neuer, schöner Tag.

Und irgendwo am Horizont gehts auch wieder weiter.

Premieren

Eine Woche voller Premieren. Am Sonntag abend zunächst mal das erste richtige gemeinsame Essen mit meinem Mitbewohner Neeraj (im Bild ganz links) in unserem Apartment.


Er hat für mich und seinen Freund Ganesh gekocht, das heißt es gab leckere indische Hühnchen-Gerichte (Butter Chicken und Tandoori Chicken), dazu Parrata (eine Art Fladenbrot) und noch ein Linsen-Dal. Abschließend dann noch einen leckeren Tee - mit Milch, natürlich!


Nachmittags durften wir sogar eine Art Monsun erleben, der ebenfalls an indische Verhältnisse erinnerte und mich davon abhielt, ein paar Bahnen im Pool zu schwimmen.

Auf dem Bild kann man es nicht wirklich erkennen, aber es fielen walnussgroße Hagelkörner vom Himmel. Zum Glück war ich nicht draußen als es innerhalb weniger Minuten losging mit dem Unwetter!

Gestern war es dann (als Kontrastprogramm) zum ersten Mal seit ich hier bin über 96° Fahrenheit heiß - d.h. knapp 36 Grad Celsius! Zusätzlich hatte ich nachmittags meine allererste Zahnbehandlung unter örtlicher Narkose. Zum Glück hatte ich gleich von Anfang an die Augen zu, hätte ich gesehen dass mir der Doc so eine riesige Spritze in den Mund rammt wäre ich vermutlich schreiend weggerannt. Bin ja nicht so der Spritzen-Fan... Naja, nach dieser Betäubung war das schlimmste ja dann schon überstanden und ich habe ne fesche neue Füllung für den Backenzahn bekommen, hoffen wir mal dass sie diesmal hält. Da ich der letzte Kunde des Tages war habe ich mich noch kurz mit dem Zahnarzt unterhalten können, und er meinte das fast alle Zahnfüllungen und Gerätschaften für Zahnärzte aus Deutschland kommen. Wusste ich nicht, wenn´s mit der Aerodynamik also nichts wird kann ich immer noch in die Medizingeräte-Industrie gehen ;)

Ist vielleicht auch besser so, denn seit gestern habe ich das erste mal eine Massenstrommessstrecke (häßliches Wort, erst recht nach der neuen Rechtschreibung ;) ) auszulegen. Das heißt wieder in ein neues Thema einlesen, sich hoffentlich kluge Gedanken machen und dann ne Menge Material für einen Haufen Geld bestellen. Und dann natürlich auch hoffen dass es funktioniert! Das Problem dabei ist, dass der Prof ab nächster Woche im Urlaub ist und der Kram eigentlich vorher abgesegnet und bestellt sein sollte. Also wieder mal Stress, deswegen fasse ich mich kurz und eile an die Uni, damit´s noch rechtzeitig fertig wird.

Ich muss weg...

Sonntag, 24. Juni 2007

Klima

Im Land der weltweit mit Abstand größten Umweltverschmutzer fragt man sich als klar denkender Europäer ja oft, was in den Leuten vorgeht wenn sie ihre Klimaanlagen bei offenen Fenstern betreiben oder mit dem Auto an den Pool fahren, obwohl nur 200m bis dorthin zu laufen wären. Was dabei rauskommt kann man ja jeden Tag erfahren, die globale Erderwärmung hinterlässt ihre fatalen Folgen. Schockiert habe ich feststellen müssen, dass sogar Frankfurt nun schon zum Teil der Tornado-Alley geworden ist (Link). Ein paar Kilometer weiter in Offenbach hätt's ja keinen gestört, aber dass nun neben diversen Holzhäusern im mittleren Westen der USA auch Dachziegel in Oberrad von schweren Verwüstungen bedroht sind stimmt mich nachdenklich.

Zum Glück gibt es noch wahre Helden des dreckigen Alltags die sich der fortschreitenden Kanibalisierung unserer Umwelt widersetzen: so wie die Yes Men, die sich vor kurzem auf einer Konferenz führender nordamerikanischer Ölfirmen mit einem atemberaubenden Vortrag hervorgetan haben (näheres hier oder auf englisch hier). Vor versammelter Prominenz hatten sie sich als Vertreter von Exxon, einer der größten Öl-Verpester der Welt, ausgegeben und eine revolutionäre alternative Ölgewinnungsstrategie vorgestellt. Die Opfer, die es aufgrund des Klimawandels unweigerlich geben werde, können doch dazu verwendet werden, aus den Leichen Öl zu gewinnen. Interessanterweise haben die Vertreter der Firmen sich den Vortrag seelenruhig angehört und erst ganz gegen Ende die Charade aufgedeckt. Das zeugt von einer unglaublichen Kaltschnäuzigkeit der Lobbyisten. Aber wir wissen ja, wo´s um großes Geld geht, ist keinerlei Platz für Moral. respekt auf jeden Fall für die Yes Men als Robin Hoods der Öl-Wirtschaft, so viel Courage muss man erst mal haben.

Zum Glück gibt es auf der Welt noch lustige Dinge, an denen man sich erfreuen kann - so zum Beispiel die Zwiebelfisch-Kolumne . Wenn man ja sonst nichts mehr zu lachen hat...

;)

Samstag, 23. Juni 2007

Eating Out

12 Uhr. Mittagspause. Aber meistens hat man ja nicht unbedingt von zuhause was zum Essen mitgebracht. Die Art Mensa die es hier gibt hat im Sommer nicht auf, was also tun wenn der Hunger unerträglich wird???

Zum Glück gibt es in unmittelbarer Nähe des Campus diverse Stätten, wo man seine Gelüste nach Nahrung stillen kann. Zur Auswahl stehen viele kleinere Restaurants, wo es Mittags zu halbwegs erschwinglichen Preisen gute Burger etc. gibt. Leider sind die um die Mittagszeit auch meist recht voll, und dabei ist ja momentan sogar Sommerpause an der Uni. Ich schätze mal während des Herbstsemesters wird es fast unmöglich, im Cellar, bei Mike´s Grill oder dem leckeren und preisgünstigen Mexikaner sowie den anderen netten Lokalitäten einen Platz zu ergattern.

Restaurants gibt es in allen Preisklassen, vorgestern waren wir zu Feier des Tages (eine Kollegin hatte ihre Dissertations-Präsentation gehalten und damit ihren Doktortitel erhalten) mal bei Boston Beanery, einem Restaurant das zwar wohl auch irgendwie Bohnen anbietet, auf der Karte habe ich aber vornehmlich Steaks und Burger ausmachen können. Der gegrillte Hamburger den ich hatte war auch wirklich gut, und die frischen Pommes dazu ebenfalls sehr lecker. Allerdings ist das nicht unbedingt etwas für die Portokasse, die man jeden Tag mit sich rumschleppt.

Über Buffalo Wild Wings habe ich ja bereits zu Beginn meines Blogs geschrieben, ist ebenfalls ein angenehmer Laden mit erhöhtem Preisniveau, dafür kann man den ganzen Tag auf etlichen Bildschirmen diverse Sportereignisse verfolgen: Vom Golf in England über US-College-Football bis zu Cricket oder Dart-Turnieren wird hier alles gezeigt, was irgendwie mit Sport zu tun haben könnte. Spezialität des Hauses sind die Hänchenflügel mit Soßen, die jeden (aber auch wirklich jeden) Geschmack abdecken, von luftig-mild bis unmenschlich-scharf (ich berichtete).

Als Alternativen buhlen diverse Fast-Food-Ketten um die Gunst des hungrigen Kunden. Hier gibts die aus Deutschland gewohnte Auswahl an Fleisch, Fisch(püree) und Hünchen(Imitat)-Gerichten. Zu der reichhaltigen Auswahl an diversen Geschmacksverstärkern gibts dann auch standardmäßig Refill sooft man will für die zuckerhaltigen Softgetränke. Dass der Hunger nach circa 2 Stunden zurückkehrt ist im Preis ebenso inbegriffen.

Meistens verschlägt es mich sowie die Kollegen aus der Scramjet-Gruppe dann also zu "Subby", einem Sandwich-Laden namens "Substation II". Es ranken sich diverse Gerüchte darum was die 2 im Namen soll zumal es keinen Laden namens Substation I oder ähnliches gibt. Angeblich ist der Schuppen mal niedergebrannt und anschließend als Version II wiedereröffnet worden. Jeder der Subway (auch in Germany zu finden) kennt kann sich grob vorstellen, was das Sortiment ausmacht.

Hauptsächlich gibt es "Subs", d.h. Sandwiches in allen Belegungskombinationen. Die Stullen werden frisch vor den Augen des Kunden mit den gewünschten Zutaten belegt. Jeden Tag gibts ein "Today´s special", ein bestimmtes Sandwich mit einer Packung Chips und einem Kaltgetränk dazu, kostet so um die 5 Dollar. Damit ist es erschwinglich, frisch, schnell zur Hand und dazu noch erstaunlich gut - alles was ein armer Student so braucht!


Und so sieht ein Mittagsmenü dann aus. Leider bin ich schon fast süchtig nach Chips oder Tortillas mit Käse-Geschmack, das macht den Effekt der gesunden Beilagen auf dem Sandwich wieder zunichte. Aber irgendein Laster muss man ja haben, und solange ich nicht zu sehr zunehme und nicht als Fleischklopps zurückkehre kann ichs mit meinem Gewissen gut vereinbaren.

Ach ja, wo wir gerade bei Fleischkolossen sind: Die Galaxy hat´s dieses Jahr leider nicht geschafft den "Yello Strom World Bowl" am Main zu behalten, in einem wirklich guten und packenden Spiel bezwangen die offensiv und fast fehlerfrei spielenden Hamburg Sea Devils die Galaktischen mit 37 zu 28. Freu mich schon auf die (College-)Football-Saison hier in den Staaten!

Go Hokies go!

Update

Halbzeit beim Worldbowl, und ich hab sogar ne Möglichkeit gefunden das Spiel von zuhause aus über Internet zu schauen. Leider liegt die Galaxy 23:14 hinten, aber noch ist ja nichts verloren!
Kein einziger Punt im Spiel bis jetzt, super Offensive-Play - ein tolles Spiel! Und ich hab noch die "tolle" US-Werbung während die Leute im Stadion in den Pausen warten dass es weitergeht. Fast hätte ich mir schon das Auto-Polier-Set bestellt und nen Kredit aufgenommen: nur 2 der tollen Sachen, die hier angeboten werden!

Eben war Meat Loaf in der Halbzeitshow zu sehen, unglaublich das der Kerl immer noch Musik macht (wie alt ist der eigentlich???). Der Fleischklopps erinnert mich immer an Baron Vladimir Harkonnen. Bin total im "Dune"-Universum gefangen und habe hier schon 2 Bücher aus der Serie gelesen (zusätzlich zu den 4 die ich in Deutschland schon gelesen hatte)...
So, das Spiel geht weiter! Viel Spaß!

VT vs VT

Heute findet ja im WALDSTADION in Frankfurt das Endspiel der NFL Europa statt - und dieses American Football-Spiel wird auch in die USA übertragen. Selbstverständlich wird dies hier nicht ganz so sehnsüchtig erwartet wie der Superbowl, ehrlich gesagt ist das für die Amis viel unwichtiger als das unwichtigste Saisonspiel der hiesigen NFL. Aber hey, ist ja auch nur so etwas wie ein Trainings-Camp für die Ersatzspieler aus den Kadern der US-Teams.


Dafür heißt es dann heute aber eben auch: Virginia Tech spiel gegen Virginia Tech! Auf Seiten der Hamburg Sea Devils spielt Nathaniel Adibi, Defensive End und ehemaliger "Student" der Virginia Tech. Für die Galaktischen spielt Jason Murphy. Beide haben hier in Blacksburg "Apparel, housing and resource management" studiert... Ich schätze mal das ist der Abschluss den man hier bekommt, wenn man 5 Tage die Woche auf dem Trainingsgelände steht, Spielpläne auswendig lernt und sich mit vollem Karacho anderen 140 Kilo-Brocken entgegenstürmt - und dadurch das Uni-eigene Football-Team tatkräftig unterstützt. Denn College-Football ist hier in den Staaten ja eine sehr angesehene Sache, und ich freu mich auch schon ein bisschen auf die Saison die im September losgeht. Man kann dafür als VT-Student Freikarten bekommen, muss dazu aber an einer Art Lotterie teilnehmen. Ich hoffe ich werde wenigstens für ein Spiel mal gezogen und kann mir das Spektakel anschauen - das Lane-Stadium zählt zu den besten Uni-Anlagen der Staaten und hat Platz für 65.115 Menschen. Da ist sicher gut was los!