Samstag, 16. Juni 2007

Und es geht doch!

Nachdem ich mal wieder kaum ein Auge zubekommen und stundenlang wachgelegen bzw. mich auf meiner Matratze rumgewälzt habe war´s mir nun eben zu blöd und ich bin aufgestanden. Und mein erster Gedanke war: Hab ich vielleicht heute mal wieder Internet zuhause? ;)
Und siehe da: es klappt! In den letzten Tagen war es ja irgendwie unmöglich, sich in das Drahtlosnetzwerk meiner Wahl einzuwählen, aber heute gehts zum Glück wieder. Wobei mein Mitbewohner und ich uns mal langsam Gedanken über eine Alternative machen müssen.

Dann habe ich gleich mal bei Simone angerufen, leider war die gerade im Umzugsstreß und am Kisten schleppen, daher war es nur ein kurzes Gespräch und ich muss mir eine andere Beschäftigung am frühen Samstag morgen suchen (Der Supermarkt macht erst in ner Stunde auf und der erste Bus zu Walmart fährt erst in 3 Stunden...). Und was macht man nicht alles wenn einem langweilig ist ?!? Ich zumindest habe mir eben zum allerersten Mal (legal) Musik aus dem Internet heruntergeladen und den iTunes Music Store ausprobiert. Und hey: das ganze klappt wirklich gut! Ich bin da zwar ein absoluter Spät-Starter und bisher ja nicht wirklich ein Apple-Fan gewesen, aber nachdem ich nun weiß dass die Firma im Internet einen wirklich guten Musik-Service anbietet und ich auf dem Flug hierher eine Reportage über Steve Jobs gesehen habe spiele ich in der Tat mit dem Gedanken, mir nen iPod zuzulegen. Oder vielleicht sogar ein MacBook, wenn mein gutes Samsung-Notebook bald mal den Geist aufgibt. Apple-Produkte sind hier in den USA ja nochmal ein gutes Stück günstiger als in der Heimat, dazu gibt es zum Teil noch Studentenrabatte. Mal schauen, bin ja noch ne Weile hier und muss nichts überstürzen.

Jetzt werde ich mir erst mal die Haare schneiden. Einen schönen Samstag noch! :)

Freitag, 15. Juni 2007

Radio, Labview...

Puh, wieder eine (Arbeits-)Woche rum! Eine relativ monotone und langweilige dazu, denn ich habe mich die ganze Woche mit der Labview-Programmierung einer Software herumgeschlagen, die ich benötige um meine Messungen durchführen zu können. Muss halt leider auch sein sowas, aber es ist schon gut zu wissen dass es Leute gibt die Informatik studieren und sich mit sowas rumschlagen müssen wenn man mal später in ner Firma arbeitet ;)

Was mich momentan am meisten ärgert ist, dass es hier kein gescheites Radioprogramm gibt. Da ich ja jemand bin, der in Deutschland eigentlich den ganzen Tag das Radio laufen hat, ist es komisch, darauf mehr oder weniger verzichten zu müssen. Auf der Arbeit macht es mir nichts aus, aber wenn ich heimkomme möchte ich doch wenigstens ein bisschen Musik und Nachrichten hören. Aber nichts da... Das Programm hier ist einfach ungenießbar. Es gibt zwar ein paar nette Sender (Ein Rock-Sender namens "The Bear" und einer namens "100 Top Wanted"), aber diese spielen halt immer nur die gleichen Titel bzw. die gleiche Art Musik. Klar, man kann hier alle 10 Minuten vom Rock- zum HipHop-Sender oder zum Country-Kanal oder gar zur "Christlichen Radiostation" wechseln, aber wer will das schon?!?! Ich will von allem ein bisschen, und dazu relevantere Nachrichten als dass in Christiansburg ein Truck in eine Baustelle gefahren ist oder dass heute der 50. Jahrestag der Gründung der AirForce-Base XY ist. Für globales Geschehen ist hier in den Nachrichten leider kein Platz.

Naja, muss ich halt meine MP3s auf dem PC bemühen und hoffen, dass mir mal jemand ein bisschen aktuellen Nachschub schickt ;)

Da meine Internetverbindung zuhause momentan katastrophal ist denke ich werde ich mich erst nächste Woche wieder von der Arbeit aus melden, ich wünsche ein schönes Wochenende!

Sonntag, 10. Juni 2007

So sieht´s aus...

... in "meinem" Apartment! Zunächst gewähre ich Euch mal einen kleinen Einblick in mein momentanes Schlafzimmer. Momentan, weil ich mit meinem Mitbewohner (der gestern eingezogen ist) ausgemacht habe, dass wir nach 3 Monaten die Zimmer tauschen. Das wo ich momentan drin bin ist nämlich größer und ein wenig komfortabler, es gibt einen riesigen Kleiderschrank und liegt direkt neben dem Bad. Dafür ist auch die Klimaanlage direkt neben an, und wenn die anfängt zu Brummen ist der Spaß zuende. Aber alles hat halt Vor- und Nachteile!

Auf den Bildern seht ihr nen Schreibtisch und ne Komode, die gehören zur Einrichtung unseres Vormieters und werden - ebenso wie die restlichen Möbel - morgen abgeholt. Dann hab ich nichts mehr zu Füße hochlegen, aber für die paar Monate ist das zu ertragen. Hauptsache ich hab ein Bett und nen Stuhl (konnte mir einen vom Speermüll ergattern ;). Die Lampe hab ich bei Walmart günstig erstanden und leistet gute Dienst, auch wenn das obige Bild aufgrund der Gegenlichtsituation sehr dunkel ist. Ich arbeite noch an meinen fotografischen Fähigkeiten... ;)

Ein Blick ins Bad verrät, dass ich gestern bei Walmart einen Duschvorhang erstanden hab und die Platzverhältnisse nicht wirklich ausladend sind, aber für 2 Personen wird es reichen (müssen). Dafür habe ich endlich wieder eine Badewanne - wobei ich die ja eher bei kalten Temperaturen zu schätzen weiß. Und laut Aussagen meiner Kollegen beginnt der harte Winter hier meist erst im Dezember, und da bin ich ja schon wieder weg. Tja, auf das richtige Timing kommt es halt an...

Noch stehen in dem großen Wohnzimmer Sofas und ein großer Esstisch, aber auch die werden morgen verschwinden. Dann wird´s ziemlich leer aussehen, und wenn die Jalousie zum großen Balkon aufgezogen wird noch mehr. Platz ist hier ja generell nicht das Problem, man schaue sich nur den riesigen Campus an,! Aber dafür gibt es eben im Umkreis von 30 Meilen auch nur noch wenige größere menschliche Ansiedlungen.

Unsere Küche ist ebenfalls recht ausladend, aber das muss ja auch so sein! Denn eine amerikanische Durchschnittshaushalt hat ja einen Kühlschrank, in den mindestens ein ganzes Schwein und ein selbst erlegter Bär reinpassen. Der Ofen hat ähnliche Ausmaße und die Spülmaschine ist natürlich obligatorisch. Wer will sich denn schon die Hände nass machen!?!? Also hat man ein Gerät, in welches alles Geschirr aus dem Weißen Haus reinpassen würde, blöd nur wenn man nicht so viel Kram zum reinstellen hat. Aber was soll´s, Wasser kostet ja (fast) nichts und ist in der Miete schon fest mit drin.

Thema Ozonloch??? Ach, ich hab noch keins gesehen...

Donnerstag, 7. Juni 2007

Zwischenbilanz: 10%

Nun bin ich schon 20 Tage in den Staaten, und merke gerade dass ich mich seit 3 Tagen nicht mehr gemeldet habe. Ein Zeichen, dass ich hier langsam in Fahrt komme, immer mehr zu tun habe und kaum noch zum Internet-Surfen oder Bloggen komme. 10% Meines Aufenthaltes sind nun schon rum, und bis auf diverse Kleinigkeiten und die erwähnten Startschwierigkeiten gibt es nichts zu meckern: es hätte schlimmer kommen können. Die Einreise war unkomplizierter als erwartet, meine erste Begegnung mit der örtlichen Polizei ("Warum fahren sie mit dem Rad entgegen der Einbahnstraße?" "Aber Sir, die Straße ist doch wegen einer Baustelle gesperrt, da fährt ohnehin kein Auto!" "Absteigen, schieben!") hab ich auch ohne Knast-Aufenthalt überstanden und eben bin ich in stockfinsterer Nacht von der Uni durch die Felder nach Hause gefahren. Die paar Glühwürmchen am Wegesrand haben leider mehr irritiert als illuminiert, aber dennoch bin ich heil nach Hause gekommen und weder mit einer Kuh noch mit einem Kuhzaun kollidiert. So bin ich nach meinem ersten 13-Stunden-Arbeitstag also doch wohlbehalten zuhause angekommen und werde mich nun gleich mal in die Heia begeben, denn morgen wartet wieder ein Batzen Arbeit auf mich.

Montag, 4. Juni 2007

What I´m doing all day

Da ich nun schon mehrfach gehört habe, dass keiner so recht weiß womit ich den lieben langen Tag meine Zeit vertreibe und woran ich eigentlich genau arbeiten soll - letztendlich, WARUM ich überhaupt in der US-amerikanischen Provinz hocke - möchte ich heute mal versuchen, ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen. Da ich seit Freitag auch grob eine Vorstellung davon habe, was mein Prof von mir erwartet, kann ich dies mit gutem Gewissen tun. Auch wenn das Thema meiner Diplomarbeit freilich noch nicht 100%ig schwarz auf weiß auf echtem Papier festgehalten ist ;)

Die Gruppe um Professor Dr. Schetz an der Virginia Tech arbeitet an Überschall-Flugantrieben. Dazu stehen mehrere Windkanäle zur Verfügung. Und weil Flugantriebe aus verschiedenen Teilen bestehen, gibt es verschiedene Forschungsgruppen zu den einzelnen Komponenten. Ich bin in der Gruppe, welche die Einspritzung von Kraftstoff in die Brennkammer eines Überschalltriebwerkes untersucht. Antriebe für Überschallflüge gibt es in verschiedenen Ausführungen.
Für spezielle Anwendungen wie die X-43 der NASA, welche extrem hohe Fluggeschwindigkeiten erfordern (um die 10fache Schallgeschwindigkeit, also knapp 3km pro Sekunde!) werden Triebwerke verwendet, bei denen die Verbrennung des Kraftstoffs ebenfalls im Überschall stattfindet. Dies stellt ganz besondere Anforderungen (alle die mal was mit Überschallströmungen zu tun hatten wissen, was ich meine), generell kann man sagen, dass die Zeit, welche ein Kraftstoffteilchen im Triebwerk ist, extrem kurz ist. Daher muss der Kraftstoff möglichst effektiv mit der durchströmenden Luft vermischt und dann gezündet werden, um eine gute Verbrennung zu erzielen. Und genau an der Verbesserung der Vermischung arbeiten wir hier in Blacksburg. Diese Triebwerke, bei denen die Verbrennung im Überschall geschieht, nennt man im Fachjargon "Scramjet". Wer´s genauer wissen möchte, der schaue einfach bei Wikipedia nach.

Verbessern kann man die Kraftstoffvermischung durch unterschiedliche Einspritz-Geometrien (so wie es beim Auto auch Direkteinspritzer etc. gibt), und die untersuchen wir in Windkanälen. Normalerweise wird für solche Scramjet-Triebwerke Wasserstoff als Kraftstoff verwendet. Weil das Zeug nicht so einfach zu handhaben ist verwenden wir in unseren Experimenten Helium, was von den Stoffwerten her ähnlich ist. Das lässt sich nicht verbrennen, aber uns geht es ja auch nur um die Vermischung des Heliums mit dem Luftstrom durch das Triebwerk.

Mit Hilfe einer speziellen Sonde lässt sich die Heliumkonzentration im Windkanal während des Versuchs messen, und das ist das worum es hauptsächlich geht: Die Untersuchung der Konzentration von Helium in einer runden Brennkammer, wobei das Helium durch diamantförmige Öffnungen eingespritzt wird. Das ganze soll besser sein als die konventionelle Einspritzung durch runde Öffnungen, ob´s tatsächlich so ist werden meine Messungen dann hoffentlich zeigen. Bis dahin ist es aber noch ein langer Weg...


Erst mal muss ich mir überlegen, wie ich die Sonde in den Windkanal hineinbekomme und dann auch noch verstellbar gestallte. Allein das Hineinhalten der Sonde in den Luftstrom stellt schon einige Herausforderungen an die Struktur des Versuchsaufbaus, wenn man sich vor Augen führt, dass die Luft mit ca. 1200 m/s bzw. 4320 km/h auf diese zarte Sonde prallt.

Ob mir was cleveres einfällt teile ich dann die Tage mit, drückt mir die Daumen!

Sonntag, 3. Juni 2007

Umzug

Gestern bin ich mit meinem gesamten Hab und Gut in mein Apartment umgezogen. Und weil ich es da nun 6 Monate aushalten muss habe ich mich vorher noch ein wenig mit Dingen eingedeckt, die man im alltäglichen Leben so braucht. Vormittags war ich also in der "New River Valley Mall" in Christiansburg (das ist der nächste "größere" Ort hier, eigentlich hat er seine Daseinsberechtigung nur weil da die Bezirksverwaltung sitzt). Und weil man hier auf dem Ländle ja so viel Platz hat klatscht man einen riesigen Gebäudekomplex hin, wo sich diverse Geschäfte akkumulieren. Vom Angebot in etwa vergleichbar mit dem Nordwestzentrum erstreckt sich das Gelände auf etwa der dreifachen Größe. Man hat´s ja...

Nebenan bei Walmart habe ich für knapp 70 Dollar das Notwendigste erstanden:
Teller, Gläser, Pfanne, Stehlampe, Glühbirnen, Bügeleisen, kurze Hose etc. pp. Vollbeladen hab ich mich dann wieder in den Bus nach Blacksburg gesetzt und wäre dabei fast erfroren. Das ich auf dem Walmart-Parkplatz so viele SUV und überdimensionierte Mittelklassewagen für kleinkarierte Dörfler sehen würde wie noch nie in meinem Leben zuvor hatte ich mir ja vorher schon gedacht. Klimaschutz lässt grüßen. "Andere reden vom Ozonloch, wir tun was!" Aber an diesen Klimaanlagen-Wahn muss man sich wirklich gewöhnen. Es war gestern nicht mal annähernd warm draußen, trotzdem musste der Busfahrer das Gefährt in eine arktische Eishöhle verwandeln. Auf dem Parkplatz geparkte Autos mit laufender Klimaanlage, während die Besitzer schön am Shoppen sind. Tztztztz....

Generell muss man sich in vielerlei Hinsicht umstellen. Gerade in der Umgebung großer Einkaufszentren würde man als Mitteleuropäer ja mal so etwas wie Bürgersteige erwarten. Aber in Virginia? Fehlanzeige! Da muss man, um von der Mall zu Walmart zu kommen, über die 6-spurige Straße irgendwie drüberhuschen und versuchen, dabei nicht von einem Truck mit Kuhfang erfasst zu werden.

Naja, that´s life. Nachmittags hab ich dann meine Koffer geschnappt und bin umgezogen. Luftlinie geschätzte 65 Meter. Da hatte ich schon echt Glück, dass das mit dem Apartment geklappt hat. Hätte ich meine Matratze bis ins Stadtzentrum schleppen müssen, hätten mich die Kühe auf der Weide bestimmt noch dümmer angeglotzt als sie das sonst immer schon tun. So hat das Ganze nur ne halbe Stunde gedauert und ich kann mich sogar ins gleiche WLAN-Netz einwählen wie schon seit 2 Wochen - leider ist hier die Verbindung weniger stabil ;) Aber wenn mein Mitbewohner irgendwann nächste Woche einzieht werden wir wohl auch hoffentlich eine feste Internet-Leitung bekommen. Und dann gibt´s noch viiiiiiiiieeeeeeel mehr zu lesen in diesem Blog!

Heute hat es dann den ganzen Tag geregnet. Allerbeste Voraussetzung also, um den Tag lernend und arbeitend drin zu verbringen. Ist zwar nicht meine Lieblingsbeschäftigung an einem Sonntag, aber morgen zur Arbeitsbesprechung will ich wenigstens etwas vorzuweisen haben. Habe daher stundenlang versucht, Widerstandsberechnungen für die Sonde in der Überschallströmung anzustellen. Hat natürlich nicht hingehauen, vielleicht weiß von Euch ja jemand Rat?

Samstag, 2. Juni 2007

Arbeit

Gestern hatte ich endlich mal eine klärende Besprechung mit meinem Professor. Er hat mir den genauen Versuchsaufbau erklärt, und nun hab ich eine Ahnung davon was ich machen soll bzw. wie ich an meine Arbeit herangehen muss. So konnte ich gestern endlich mal das Einspritzsystem sehen, mit dem ich arbeiten werde. Zusammen mit Kenny (er hat gerade seine Master Thesis fertiggemacht und arbeitet bis Juli noch am Institut) habe ich ein paar Anschlüsse angebracht und werde am Montag den Einbau in den Windkanal vorbereiten. Der nächste Schritt ist die Auslegung einer Sondenhalterung, damit werde ich mich wohl dieses Wochenende ein wenig beschäftigen denn am Montag ist wieder Gruppenbesprechung und da würde ich gerne schon ein paar Ergebnisse vorweisen können.

Gleich werde ich aber erst mal mit dem Bus zu Walmart fahren, denn ich muss noch ein paar Einkäufe tätigen - seit gestern habe ich endlich die Schlüssel zu meinem Apartment, und da dieses nicht eingerichtet ist, muss ich zumindest ein paar Küchenutensilien etc besorgen. Ich hoffe dass mich das nicht zu viel Geld kosten wird, mein Mitbewohner Neeraj hat zugesagt ein paar Sachen aus seiner alten WG mitzubringen. Ich werd trotzdem mal ein wenig shoppen gehen. Ist ja auch gut für die Seele ;)